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Auch für Theaterleute ist es nicht leicht, sich diesem Stoff zu nähern - gibt es doch schon unzählige Versionen, nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf der Kinoleinwand etwa
mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes in den Hauptrollen. Regisseur Klaus Schumacher ist am Hamburger Schauspielhaus eine zeitlose und sich auf das Wesentliche konzentrierende Interpretation des
Shakespeare-Klassikers gelungen, die am Samstagabend vom Publikum langanhaltenden Beifall erhielt - genauso wie die Schauspieler.
Die nach hinten ansteigende Bühne (Katrin Plötzky) hat verschieden farbige Felder, in der Mitte ist eine rechteckige Vertiefung. Hier lauert "Die Brut" unter einem schwarzen nach oben
fahrbaren Kasten, der sich im Laufe des Abends zu Julias Balkon und Grabstätte verwandeln wird. Unter den einleitenden Worten des Fürsten von Verona (Achim Buch) werden 16 junge
Männer in khakifarbenen Shorts und Hemden mit gegelten Haaren, die an Hitler-Jungen oder Pioniere erinnern, zu Mitgliedern der sich bekämpfenden Familien Capulet und Montague. Auf einem
Maskenball der Capulets, auf den sich Romeo (Aleksandar Radenkovic) heimlich geschlichen hat, verliebt er sich ausgerechnet in die Tochter der Erzfeinde seiner Familie.
Wie ein Blitz trifft die beiden jungen Leute die Liebe, als sie sich das erste Mal begegnen. Die laute Disco-Musik hört schlagartig auf, als sie sich von der tanzenden Menge entfernen. Die
ersten zärtlichen Küsse werden ausgetauscht und schon nach wenigen Augenblicken steht für beide fest: Sie sind füreinander bestimmt! Noch in der Nacht schleicht sich Romeo zu
Julias (Julia Nachtmann) Balkon und gesteht ihr seine Liebe: "Julia ist die Sonne. Sie ist meine Göttin. Meine Liebe!" Um die Einzigartigkeit und die Ausschließlichkeit ihrer Liebe in
der verfeindeten Umwelt zu unterstreichen, schweben beide in der rechteckigen, offenen Box dem Himmel entgegen, quasi in andere Sphäre: "Was Liebe kann, das wird sie immer wagen!"
Aleksandar Radenkovic ist ein wilder, ungestümer, aber auch nachdenklicher Romeo, Julia Nachtmann eine naive und stürmische Julia. In ihrem mädchenhaften Tüllrock mit Bustier
und geflochtenen Zöpfen (Kostüme: Heide Kastler) weiß sie aber ganz genau, was sie will. Den beiden nimmt man ihre große Liebe sofort ab. Auch die anderen Schauspieler
überzeugen, allen voran Hedi Kriegeskotte als Bruder Lorenzo und Irene Kugler als Julias Amme. Ebenso geben Tristan Seith als Mercutio und Sören Wunderlich als Benvolio ein
unterhaltsames Paar ab. Lediglich Sandra Maria Schöner und Jürgen Uter als Julias Eltern wirken etwas klischeehaft.
Schon in Schillers "Kabale und Liebe" haben die beiden Hauptdarsteller Radenkovic und Nachtmann als Ferdinand und Luise Erfahrung mit dem Scheitern der Liebe an den Umständen gemacht. Auch
diesmal gibt es für beide kein Happy End - zu tief ist der Hass zwischen den Familien, der auch Romeo wieder ergreift, als er seinem Feind Tybalt (Martin Wißner) gegenübersteht.
Das tragische Ende kann selbst durch einen rettenden Plan von Bruder Lorenzo nicht mehr aufgehalten werden. Am Ende haben die beiden Familien das verloren, was ihnen das Liebste war - eine
Versöhnung scheint nur noch über die Gräber hinweg möglich.
dpa
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