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Von den samtigen Streichern, über die im großen Bogen gestaltete Emotion und eine zelebrierte Spannung mit dem Feinzeichner, die er bis hin zum gefühlten Beinahe-Stillstand
auskostet. Diese suggestive Verführung bei stets gewahrter Transparenz bedurfte weder der Effekthascherei, noch eines nebeldampfenden Überkochens. Pappano atmete regelrecht mit den
Sängern auf deren Expediti on in die Grenzbereiche des Emotionalen. Mit diesem Londoner Tristan hat sich ein hochsouveräner Wagnerdirigent wohl auch für Bayreuth empfohlen.
Der gefeierte Star auf der Bühne war jedoch Nina Stemme. Sollte es je Zweifel an ihrer Klasse gegeben haben, hier in Covent Garden hat sie ihre Stellung als derzeit wohl alles in allem beste
amtierende Isolde eindrucksvoll unterstrichen. Zu ihrer Souveränität zwischen herausgeschleuderter Höhe und Momenten des Innehaltens kommt eine mustergültige
Verständlichkeit. Mehr ist da wohl kaum zu machen. Ben Heppners Tristan war im ersten Aufzug mit seinem betörend lyrischen und doch kraftvollen, wohlartikulierten Tenor auf
Augenhöhe, hatte dann im Zweiten einige Probleme, aber noch genügend Reserven, um den mörderischen dritten Aufzug mehr als anständig zu überstehen. John Tomlinson, der
für den eigentlich vorgesehenen Matti Salminen eingesprungen war, lieferte einen Marke recht eigenwilligen Rechtes, der jenseits balsamischen Wohlklangs vor allem handfest litt. In London
kann er wahrscheinlich eh singen, wie er will und erntet doch Jubel. Als Volltreffer dagegen erwiesen sich Michael Volle, dem natürlich auch sein Kurwenal mit so exemplarischem Charisma
gelang, wie alles, was er derzeit macht, und die Brangäne, die bei Sophie Koch vitales Format jenseits aller Gouvernantenhaftigkeit entfaltet.
Regisseur Christoph Loy schien über die heftigen Buhs, die ihm am Ende entgegenschlugen, sichtlich überrascht. Dabei gab es die volle Dosis seines vorgezogenen, reduzierten Altersstils
erst im dritten Aufzug. Seine „Anfangsdrohung“ mit dem nur einen Stuhl vor der grauen Seitenwand, machte er aber nur auf der Rampenspielfläche der Bühne auf der Bühne
wahr, die ihm Johannes Leiacker gebaut und hinten mit einem Vorhang begrenzt hat. Sie ist leicht angeschrägt und vor allem grau und leer. Bis auf jenen Stuhl. Im zweiten Akt wird beim
Mobiliar mit einem Zweitstuhl und einem Tisch (für ein Dinner for two) nachgerüstet, wovon im Schlussakt ein Stuhl und ein Tisch übrig blieben. Auf der zum Graben hin offenen
Spielfläche gibt es also vor dem geschlossenen Zweitvorhang vor allem jenes Kammerspiel der Obsessionen. In Loys szenisch reduzierter, in der Personenführung intensiv andeutender Art
funktioniert das bei Wagners Liebesopus und mit so exzellenten Protagonisten auch als Theater. Zumindest über weite Strecken, wenn auch mit abnehmender Te ndenz zum Ende hin.
Hier stehen sie dann im wahrsten Wortsinn mit dem Rücken an der Wand. Die so grenzenlos Liebenden sowieso, aber gelegentlich auch die beiden, die ihnen am nächsten sind. Kurwenal und
Brangäne halten nicht nur wie immer treu zu Tristan und Isolde, versuchen sie vor den Forderungen der Tages-Welt zu schützen, sondern kommen sich bei Loy auch selbst näher als
üblich. Das ist in der dezenten Andeutung schlüssig. Immer, wenn sich der Vorhang im Hintergrund mal spaltweise oder auch ganz öffnet, dann wird dort jene Welt des Tages
andeutungsweise sichtbar, vor der Tristan und Isolde so radikal fliehen. Es ist ein Festsaal, mit einem echten und weiteren nur skizzierten Riesenfenstern. An vier gedeckten Tafeln erwartet eine
zeitlos heutige Männergesellschaft in schwarzem Tuch eine Braut, beobachtet dann Sonderbares und reagiert auf das, was sich da unter ihren Augen an Ungeheuerlichem vollzieht. Manchmal ist
sie aber auch nur die eingefrorene Projektion der Protagonisten. Wenn Isolde kurz vor dem Eklat der Entdeckung in der Liebesnacht selbst den Vorhang wegzieht, dann wird das zu einem bewussten,
fast trotzigen Bekenntnis zu ihrer Liebe. In s olchen Momenten, wenn Loy mit schlichten theatralischen Mitteln eine Balance zwischen prägender äußerlicher Konvention und
brodelnder Obsession findet, gewinnt seine Inszenierung ein Format, die dann doch weit über einen marottenhaften Reduktionismus hinausgeht.
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