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Der Regisseur ist mit seinem Team zufrieden. Gerade wurde er für seine "Jedermann"-Inszenierung auf dem Salzburger Domplatz gefeiert: Jubel, Getrampel und Standing Ovations für
Stückl und sein Ensemble, mit dem der Regisseur seine eigene Inszenierung von 2002 komplett überarbeitet hatte. Hugo von Hofmannsthals "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" bildet am
Sonntagabend den Auftakt zu den 90. Salzburger Festspielen. Bis Ende August rechnet die Stadt mit rund 250 000 Festivalbesuchern.
Zunächst hatte vor der Franziskaner Kirche eine Reihe von Fotografen den Weg zum Domplatz blockiert. Die Lokalprominenz stand im Blitzlichtgewitter, die Rennfahrerlegende Niki Lauda posierte
mit Begleitung. Die Salzburger Damen präsentierten sich in neuester Trachtenmode, viele Herren kamen im schwarzen Anzug. Am Eingang wurden Decken verteilt. Bis kurz vor Premierenbeginn war
es unsicher, ob der "Jedermann" nicht ins Große Festspielhaus verlegt werden muss. Als die Spielansager jedoch auf das Podium traten, schien sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor.
Am Ende konnten auch die kühlen Temperaturen die Begeisterung des Publikums nicht mindern. Besonders bejubelt wurde der 39-jährige Wiener Nicholas Ofczarek, der als jüngster
Jedermann in der Geschichte der Salzburger Festspiele überzeugte. Er löste Peter Simonischek ab, der acht Jahre lang in der Titelrolle zu sehen war.
Stückl inszeniert Ofczarek als überheblichen, nach Lebenslust geifernden Kraftlackl, der als reicher Mann seinen Schuldner nicht nur verlacht, sondern ihn auch zu Boden schlägt und
mit Ketten würgt. Die Linzerin Birgit Minichmayr spielt an seiner Seite die Buhlschaft als lockendes Vollweib mit rauer Feierstimme, die mit dem Jedermann lieber tanzt, als ihn in den Tod zu
begleiten. Verlassen wird er in seiner letzten Stunde auch von seinem guten Gesellen, den Peter Jordan als virilen Dandy in Lackstiefeln und Gehrock gibt. Ben Becker als Tod tritt auf als
metallisch graue Jenseitserscheinung, die mit mächtig-sonorer Stimme den Jedermann zur "Abrechnung" ruft.
"Ich bin mit meinen Schauspielern sehr zufrieden", sagt Stückl im Anschluss an die Aufführung der Nachrichtenagentur ddp. "Und wie es wirklich ist, kann ich immer erst hinterher
bewerten. Dazu brauche ich zwei Tage." Der Regisseur hat die gesamte Premiere auf der Treppe neben den Zuschauerrängen im Stehen verfolgt: "Neben die Zuschauer kann ich mich nicht hinsetzen.
Die würden ja meine ganzen nervösen Zuckungen mitbekommen."
Stückl hält in seiner Neubearbeitung an der Bühnenkonzeption von Marlene Poley aus dem Jahr 2002 fest, die den Domplatz als dominierende Kulisse nutzt. Die Treppen der Podesterie
führen direkt zur Galerie des weißen Doms. Die Kostüme hat Poley jedoch verjüngt. Bei Jedermanns Tischgesellschaft trifft sich Fantasiebarock mit Punk: hoch aufragende
Perücken neben Irokesenfrisuren, strassglitzernde Diademe über balkenschwarzen Lidstrichen. Stückl erläutert: "Wir haben wesentlich heutigere und buntere Elemente für die
Kostüme verwendet. Denn ein 40-jähriger Jedermann lädt schließlich andere Gäste ein als ein 60-Jähriger."
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