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Ihr Trumpf dabei: die junge Koreanerin Ha Young Lee, die sich mit Courage und fabelhaftem Können dem riskanten Vergleich mit der noch immer als Ikone des Lucia-Gesangs verehrten Edita
Gruberova stellte. Das Premierenpublikum feierte die Lucia-Debütantin denn auch enthusiastisch. Das Regie-Team handelte sich dagegen saftige Buhs ein, von denen auch Simone Young nicht
verschont wurde.
Die an Ruth Berghaus und Peter Konwitschny geschulte Regisseurin Sandra Leupold hatte sich für Donizettis abgründigen Belcanto-Hit auf eine sehr eigenwillige Lesart kapriziert. In
kühner Volte ließ sie die düstere schottische Schauer-Ballade um eine in Wahnsinn und Mord endende Zwangsheirat (nach Sir Walter Scotts Historienroman) als Reigen unseliger
Geister und Wiedergänger ablaufen. In einer schwankenden Welt von Theaterkulissen, in denen die Sänger wie Abgelebte aus längst vergangenen Liebes- und Familienfehden wie in Trance
wiederauferstehen.
So erschien auch die Lucia der Ha Young Lee bereits lange vor ihrem Wahnsinnsausbruch wie eine ohnmächtig Somnambule. Der bleiche Chor der schottischen Adelsgesellschaft, mal im Turnschuh,
mal im historischen Kostüm, paradierte dazu mal aufgekratzt, mal mit schwer retardierten Bewegungen.
Am Pult der Philharmoniker zog Generalmusikdirektorin Simone Young die Fäden von Donizettis raffinierter, emotional überwältigender Musik mit routinierter Hand. Eine blendende Idee
war der auf Donizettis Originalinstrumentation zurückgehende Einsatz der Glasharmonika, die der Wahnsinnsarie einen geisterhaften, unirdischen Anstrich gab.
Ha Young Lee konnte in der heiklen Titelrolle der Lucia mit ihren klaren, prachtvoll perlenden Koloraturen (bei nur leichten Höhenschärfen) beachtlichen Eindruck machen, wenn ihr die
fiebrige Ausdrucksglut im Finale auch noch nicht ganz zu Gebote stand. Bei den Männern brillierte der junge albanische Sänger Saimir Pirgu, der dem Liebenden Edgardo mit der gekonnten
Attacke seines metallisch glänzenden Tenors enorme Strahlkraft verlieh.
dpa
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