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Für das Staatstheater Wiesbaden schrieb und inszenierte sie das deutsch-türkische Theaterstück "Türkiye Almanya 0:0". Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa
spricht Gülan über ihre Arbeit mit deutschen und türkischen Schauspielern an der Wiesbadener Spielstätte Wartburg: Wenn deutsche und türkische Künstler
aufeinandertreffen, kommt es da nicht zu Durcheinander? Gülan: "Natürlich! Wir haben uns auf Englisch, Türkisch und Deutsch verständigt. Oft habe ich nicht verstanden, was
eigentlich los ist. Die Missverständnisse während unserer Proben schaffen sicher ähnliche Situationen, wie es sie zwischen Deutschen und Türken oft geben muss.
Schließlich gibt es kleine Unterschiede im Umgang mit Sprache, Erinnerungen oder Geschichte." Es gibt also kulturelle Differenzen zwischen Türken und Deutschen? Gülan: "Ja,
unsere Zeitwahrnehmung ist völlig verschieden. Im Osten wird Zeit als eine Einheit empfunden, die sowohl Vergangenheit, Gegenwart als auch Zukunft umfasst. Menschen in der Türkei
sprechen über Dinge oft nicht konkret, sondern sehr vage. Wir planen nicht so sehr in die Zukunft, wie man es hier tut. Wenn eine Person hier von dir dann etwas Klares und Spezifisches
erwartet, kommt es zu Spannungen." Und das im täglichen Probenstress... Haben Sie ein Geheimrezept gegen Missverständnisse? Gülan: "Ich habe natürlich alles probiert! (lacht)
Ich habe alle zum Essen zu mir eingeladen, habe ein bisschen Deutsch gelernt. Am Ende habe ich versucht, meine eigene Sicht auf die Dinge zu ändern. Heute ist meine Ausdrucksweise meist
"konkret, rein, klar". So wie ich es in meiner eigenen Kultur nicht machen würde. Wenn man weiß, wo das Problem liegt, muss man es sagen. Manchmal sind Menschen zu politisch korrekt,
und wer zu höflich ist, macht es kompliziert."
dpa
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