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Der Preisträger saß beim Festakt nicht im Publikum. Bei eigenen Werken und einer Hindemith-Sonate nahm Illés am Flügel Platz. Schließlich ist er auch ausgebildeter
Konzertpianist. Illés, der Deutsch wie seine Muttersprache beherrscht, stammt nicht etwa aus einer Musikerfamilie. Der Vater ist Designer, die Mutter Kunsterzieherin. Insofern hätten
die Eltern sich nicht gewundert, wenn der Junior mit vier Jahren zu Farbstiften gegriffen hätte. Der Junge aber war nicht von Omas Klavierschemel herunter zu bekommen. Den Eltern fiel auf,
dass er dem Instrument ohne Notenkenntnisse farbige Klänge entlockte.
So beschloss die Familie, den Jungen auf eine besondere Schule zu schicken, auf ein Kodaly-Institut in Györ, in dem Musik in Theorie und Praxis zum täglichen Unterricht gehört. Im
Konservatoriumszweig dieser Schule machte Illés 1994 Abitur. Mit derartigen Vorkenntnissen wurde er an der Baseler Musikakademie mit Kusshand aufgenommen. 1998 legte er dort das
Pianistenexamen ab. Bis 2001 studierte er in der Schweiz Komposition bei Detlev Müller-Siemens, von 2001 bis 2005 bei Wolfgang Rihm in Karlsruhe. Seit 2005 unterrichtet Márton
Illés selbst an der Karlsruher Musikhochschule.
Kann man von moderner Musik leben? Illés lächelt: In diesem Jahr auf jeden Fall. Gleich drei gut dotierte Musikpreise wurden ihm 2008 zuerkannt. "In Deutschland gibt es zum Glück
viele Festivals für zeitgenössische Musik", sagt der Komponist. Fast alle haben ihm schon Kompositionsaufträge erteilt. Bisher hat er vorwiegend Kammermusik geschrieben. Für
2010 erhielt er einen Großauftrag. Die Münchner Biennale, ein Festival für modernes Musiktheater, bestellte eine Oper. Das Thema will er nicht verraten. Nur soviel: Texte von
Rainer Maria Rilke werden verarbeitet.
Führten Studien in Budapest, Basel und Karlsruhe zu einer musikalischen Mixtur? "Auf keinen Fall", sagt Illés, man bleibe Kind seines Vaterlandes. Zudem sei der ungarische
Nährboden sehr fruchtbar. Bei seiner Musik würden der Rhythmus, die große Geste, die Farbigkeit der Klangbilder von der Heimat bestimmt. Seine neue Oper wird 2010 übrigens
nicht nur in München zu hören sein. Das Kieler Opernhaus wolle das Werk im gleichen Jahr im Norden vorstellen, verrät Illés.
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