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30.08.2006

Buchenwald-Komitee nach Eklat zu Gespräch mit Schäfer bereit

Gespräch für zweite Septemberhälfte geplant

Nach dem Eklat um die Eröffnungs-Rede beim Kunstfest Weimar ist der Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Bertrand Herz, zu einem Gespräch mit Vize-Kulturstaatsminister Hermann Schäfer bereit. Er könne sich auf Bitte von Schäfer mit ihm treffen, teilte Herz am Mittwoch in Paris mit. Vom Ausgang der Zusammenkunft will er abhängig machen, ob er eine Entschuldigung Schäfers annimmt. Das Gespräch sei in der zweiten Septemberhälfte in Paris geplant.

Schäfer wird vorgeworfen, am Freitag vor einem den Opfern des Konzentrationslagers Buchenwald gewidmeten Konzert vor allem über Flucht und Vertreibung der Deutschen gesprochen zu haben, ohne auf die Opfer des KZs einzugehen. Er hat sich inzwischen dafür entschuldigt.

Herz sagte, als besonders Besorgnis erregend empfinde er, dass der Vertreter Deutschlands im Stiftungsrat der Gedenkstätte Buchenwald seine die Opfer missachtende Rede damit entschuldige, er sei kein Spezialist für das KZ Buchenwald. Außerdem stört Herz Schäfers Aussage, er hätte anders geredet, wenn er gewusst hätte, dass Überlebende im Saal sind. Der Komitee-Präsident stellte die Frage, was es für das Gedächtnis an die NS-Verbrechen und die Opfer bedeute, wenn die letzten Zeitzeugen verstorben sind. Entscheidend sei, ob dann im Namen des Gedächtnisses an die Opfer des Nationalsozialismus nur noch über deutsche Opfer des Krieges geredet werde.

"Da es in absehbarer Zeit keine Überlebenden der nazistischen Lager mehr geben wird, die gegen den Missbrauch der Erinnerung protestieren können, muss diese Frage zweifelsfrei beantwortet werden", betonte Herz in dem Schreiben. Herz dankte dem Publikum des Gedenkkonzertes für sein Eingreifen, ebenso dem Oberbürgermeister der Stadt Weimar, Stephan Wolf (SPD), und dem Ministerpräsidenten von Thüringen, Dieter Althaus (CDU), für Mitgefühl und Unterstützung. Ihn ermutige, dass Althaus seine "Betroffenheit, Wut und Kritik gut nachvollziehen kann". Dies gebe ihm Hoffnung, dass das alte Vertrauen wieder hergestellt werden könne.

Foto: dpa

Quelle: dpa
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