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20.07.2006

"Mozart 22" als Meisterstück - Bilanz einer Ära

Peter Ruzicka verlässt nach fünf Spielzeiten die Salzburger Festspiele

Selten ging es bei den Salzburger Festspielen so ruhig zu wie in der Ära von Peter Ruzicka. Keine Skandale, keine größeren Intrigen, keine bissigen Seitenhiebe in Zeitungsinterviews. Das war noch ganz anders, als Gerard Mortier in Salzburg die Fäden zog. Unter Ruzickas Intendanz seit Oktober 2001 glätteten sich die Wogen. Mit dem Mammutprojekt, im Mozartjahr alle 22 Bühnenwerke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) am Stück zu präsentieren, verabschiedet sich der 58-jährige Komponist Ruzicka und Musikmanager mit dieser Saison von den Salzburger Festspielen.

Er wolle sich wieder mehr seinen eigenen Kompositionen widmen, sagt Ruzicka der Nachrichtenagentur ddp. 2008 soll in Berlin seine neue Hölderlin-Oper herauskommen. "Das ist eine Arbeit, die sehr viel Ausschließlichkeit verlangen wird", sagt er und fügt hinzu: "Wenn man eine zu lange Auszeit nimmt, findet man kaum noch zurück zum Handwerklichen." Ruzicka hatte sich zu Beginn seiner Intendanz bei einem der wichtigsten Musik- und Theaterfestivals inhaltlich weitgehend festgelegt. "Fünf Säulen" sollten "seine" Salzburger Festspiele tragen: Mozarts große Da-Ponte-Opern, vergessene Bühnenwerke von Exilkomponisten, ein Richard-Strauss-Zyklus, große Opern des 19. Jahrhunderts sowie Uraufführungen zeitgenössischer Opern.

Klangmagier Harnoncourt

 Am geschlossensten gelang wohl die Reihe mit Opern der von den Nazis verfemten Exilkomponisten wie Erich Wolfgang Korngold, Alexander Zemlinsky, Egon Wellesz und Franz Schreker. Vor allem die Inszenierung von Schrekers "Die Gezeichneten" bei den Festspielen 2005 setzte Maßstäbe. Es gelang Ruzicka, den Klangmagier Nikolaus Harnoncourt für drei Mozart-Projekte an Salzburg zu binden. Der "Don Giovanni" von Harnoncourt und des Salzburger Theaterdirektors und Regisseurs Martin Kusej von 2002 brachte den Durchbruch für die mittlerweile weltweit gefeierte russische Sopranistin Anna Netrebko. Die Diva brillierte an der Seite des mexikanischen Startenors Rolando Villazon auch als Violetta in Giuseppe Verdis "La Traviata". In der gefeierten Inszenierung vom vergangenen Jahr avancierten Netrebko/Villazon zum neuen Opern-Traumpaar. Weniger Glück hatte Ruzicka mit dem Strauss-Zyklus. Kurz vor Beginn seiner Amtszeit starb der dafür vorgesehene Dirigent Giuseppe Sinopoli.

BIlanz einer Ära

 Abstriche machen musste der Intendant auch bei den Uraufführungen, aus geplanten vier wurden nur zweieinhalb. Ruzicka begründete dies mit dem Sparzwang. Er musste mit rund 20 Prozent weniger Geld auskommen als sein Vorgänger Mortier. "Das konnte nicht voll kompensiert werden, obwohl wir sehr gute Einnahmen verbuchen konnten", sagt er. Ruzicka verantwortete auch das vielfältige Konzertprogramm. Neue Musik konzentrierte er in den "Salzburg Passagen", einer Art "Festival im Festival". Trotz der Kürzung staatlicher Zuschüsse erzielten die Festspiele unter Ruzicka regelmäßig Rekordergebnisse. Mit Einnahmen von fast 24 Millionen Euro und einer Auslastung von gut 94 Prozent war 2003 das beste Jahr der Festspielgeschichte. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler gelang es, neue, potente Sponsoren an Land zu ziehen. Eine unerwartete Lücke im Etat riss die Zahlungsunfähigkeit des US-Mäzens Alberto Vilar. Vor allem die Finanzierung des Umbaus des Kleinen Festspielhauses war gefährdet. Kurzfristig sprang ein anderer Mäzen in die Bresche, so dass das "Haus für Mozart" planmäßig fertig gestellt werden konnte.

Großzügige Optik

Das früher als Schuhschachtel verschriene Kleine Festspielhaus präsentiert sich nun in großzügiger Optik und mit einem um 200 Plätze angewachsenen Platzangebot. Das Haus wird am 26. Juli mit der Neuinszenierung von Mozarts "Le Nozze di Figaro" ("Die Hochzeit des Figaro") mit Anna Netrebko als Susanna eingeweiht. Mit seinem Meisterstück "Mozart 22" verabschiedet sich Ruzicka von Salzburg. Sein Nachfolger wird Regisseur und Kulturmanager Jürgen Flimm, der bisherige Chef der Ruhrtriennale.

Foto: dpa

Quelle: ddp
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