|
Eröffnet werden die Festspiele am 25. Juli mit "Der fliegende Holländer". Die Inszenierung von Claus Guth geht in das vierte Jahr. Die musikalische Leitung hat Marc Albrecht. Vom 26.
bis zum 31. Juli steht dann der erste "Ring"-Zyklus mit "Rheingold", "Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" auf dem Programm. Im Mittelpunkt des Interesses steht aber der
"Ring".
Nur zwei Jahre Zeit
Nur zwei Jahre hatten Tankred Dorst und seine Partnerin Ursula Ehler Zeit für die Umsetzung ihres Konzepts. Im Sommer 2004 waren sie für den dänischen Filmregisseur Lars von Trier
eingesprungen, der den Inszenierungsauftrag überraschend zurückgegeben hatte. "Mir war klar, dass angesichts der halsbrecherisch kurzen Probenzeit für die vier Werke die
Inszenierung voraus im Kopf fertig sein muss, im Detail festgelegt", sagt der 80-jährige Dramatiker im dpa-Gespräch. "Seit dem Sommer 2004 haben wir keinen Tag ohne den "Ring"
verbracht."
15 Stunden Handlung und Musik
26 Jahre lang hatte Richard Wagner (1813-1883) mit Unterbrechungen an der Nibelungen-Saga gearbeitet. "Das Werk bewegt die Menschen auch heute, bewegt ihre Fantasie und stellt Fragen, die sie
existenziell berühren", meint Dorst. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall der Götter bietet mehr als 15 Stunden Handlung und Musik. Die teils extrem schweren Partien sind eine besondere
Herausforderung für die Sänger. Den Siegfried wird - erstmals in seiner Karriere - der amerikanische Tenor Stephen Gould singen, der in den vergangenen beiden Jahren in Bayreuth als
Tannhäuser brillierte. Als Brünnhilde ist Linda Watson zu hören, die Ortrud der jüngsten "Lohengrin"Aufführungen. Falk Struckmann singt den Wotan, Endrik Wottrich und
Adrianne Pieczonka geben das Geschwisterpaar Siegmund und Sieglinde. Abgerundet wird der Spielplan mit Wiederaufnahmen von "Tristan und Isolde" in der Inszenierung von Christoph Marthaler sowie
von "Parsifal" in der Regie von Christoph Schlingensief.
Schneider dirigiert den Tristan
Bei beiden Opern wechselt die musikalische Leitung: Den "Tristan" dirigiert nun der vielfach Bayreuth-erprobte Peter Schneider anstatt des im Vorjahr heftig kritisierten Japaners Eiji Oue. Den
"Parsifal" übernimmt Adam Fischer von Pierre Boulez, der im vergangenen Jahr seinen Abschied vom "Hügel" genommen hatte. Bis zum 28. August stehen insgesamt 30 Vorstellungen auf dem
Spielplan. Alle Aufführungen im knapp 2000 Plätze bietenden Festspielhaus sind seit langem ausverkauft. Das Publikum kommt aus rund 80 Nationen. Mehr als 700 Künstler und
Theaterleute aus etwa 30 Nationen wirken im Orchestergraben, auf und hinter der Bühne mit. Viele geben ihren Urlaub dran, um nach Bayreuth zu kommen. "Es hat nach wie vor einen großen
Reiz, hier zu arbeiten", sagt Festspielsprecher Peter Emmerich. Noch immer laufen auf dem "Hügel" die Fäden bei Wolfgang Wagner zusammen.
Nachfolgediskussion
Der Festspielchef feiert in wenigen Wochen seinen 87. Geburtstag. Alle Diskussionen um seine Nachfolge hat er "ausgesessen". So wird es immer wahrscheinlicher, dass seine Tochter Katharina Wagner
früher oder später die Leitung der Festspiele übernehmen wird. "Ich habe immer gesagt, dass ich mich dafür grundsätzlich interessiere und die Möglichkeit meiner
Bewerbung nicht ausschließe", sagt die 28-Jährige. Derzeit bereitet sie ihre erste Bayreuth-Inszenierung vor, "Die Meistersinger von Nürnberg". 2007 soll Premiere sein.
Möglicherweise ist dann auch die Zeit für einen Stabwechsel in Bayreuth gekommen.
Foto: dpa
|