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Der 39 Jahre alte Wiener Nicholas Ofczarek ist erstmals in der Rolle des Jedermann zu sehen. Die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr löst Sophie von Kessel als Buhlschaft ab.
Für das Festspiel-Jubiläum hat Christian Stückl seine Neuinszenierung aus dem Jahr 2002 überarbeitet - eine Aufgabe, die dem 48-jährigen Regisseur und Intendanten des
Münchner Volkstheaters nicht leicht gefallen ist.
"Wenn man ein Stück öfter inszeniert, findet man so einige Stellen, die man neu überdenken muss. Trotzdem kann man sich im ersten Moment von Bildern, die man einmal erfunden hat,
ganz schwer trennen", sagt Stückl im ddp-Interview. "Aber ich hatte keine Lust auf so etwas wie eine Wiederaufnahme der revidierten Wiederaufnahme." Zudem sei die Zusammenarbeit mit dem neu
besetzten "Jedermann"-Ensemble inspirierend: "Plötzlich fängt die Fantasie an zu arbeiten, weil diese Schauspieler die Geschichte wieder anders sehen - und wir erzählen sie
gemeinsam neu."
Großen Anteil an der Neubelebung der Inszenierung hat für Stückl Ofczarek: "Wenn ein fast 25 Jahre Jüngerer den Jedermann spielt, ist es logisch, dass die Geschichte neu zu
pulsieren beginnt." Ofczarek löst Peter Simonischek in der Titelrolle ab, der seit 2002 als Jedermann zu sehen war. "Ofzcarek ist ein größerer Lebemann, als es Simonischek war. Er
geht viel unbedarfter in diese Welt hinein." An seiner Seite ist die 33-jährige Birgit Minichmayr als Buhlschaft zu sehen.
Die österreichischen Schauspieler Ofczarek und Minichmayr gehören zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. 2008 brillierten beide in Martin Kusejs Inszenierung "Der Weibsteufel",
wofür Minichmayr mit dem "Nestroy"-Theaterpreis als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde. Ofczarek wurde bereits zweimal mit dem "Nestroy" für Theaterrollen ausgezeichnet und wirkt
regelmäßig in Kino- und Fernsehproduktionen mit. Minichmayr erhielt für ihre bisher größte Kinorolle in dem Beziehungsdrama "Alle anderen" auf der Berlinale 2009 den
Silbernen Bären.
Wesentliche Elemente seiner Inszenierung von 2002 behält Stückl bei. Etwa hat er den Glauben als Figur gestrichen, den Text auf Gott und Teufel aufgeteilt, die um Jedermanns Seele
streiten: "Am Ende steht ein Mensch im Entscheidungskampf. Er muss damit umgehen, dass er sterben wird und vielleicht noch eine Stunde hat, um seine Welt in Ordnung zu bringen." Stückl wird
auch an der Bühnenkonzeption festhalten, die von Marlene Poley entwickelt wurde und den Dom als Kulisse stark in die Inszenierung einbezieht: "Unsere Idee war damals, so gut wie kein
Bühnenbild zu haben und die Podesterie in den Dom hinein zu bauen. Die Idee finde ich nach wie vor gut und das Grundbühnenbild bleibt so, wie es ist."
Für Stückl behandelt der "Jedermann" ein zeitloses Thema, was den 90-jährigen Erfolg des Stücks bei den Festspielen erklärt: "Es ist die Frage nach den letzten Dingen,
die die Leute dabei besonders beschäftigt. Wir tun uns alle hart mit dem Sterben. Das Thema hat wahrscheinlich eine große Anziehungskraft." Er selbst hingegen wird sich nicht mehr
allzu oft mit dem Stoff beschäftigen: "Nächstes Jahr mache ich den 'Jedermann' schon im zehnten Jahr. Es ist einfach ein Tipp an den zukünftigen Intendanten oder
Schauspieldirektor: Lasst doch einfach mal noch jemand anderen hin, da kommt wieder eine ganz neue Geschichte dabei heraus. Aber in diesem Jahr macht es erst einmal Spaß und das ist das
Wichtigste."
dpa
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