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"Das Thema schreckt auf den ersten Blick ab", räumt Festspielleiterin Katharina Wagner ein. Die Urenkelin des Komponisten hat das Projekt "Wagner für Kinder" im vergangenen Jahr mit
einer Kurzfassung der Oper "Der fliegende Holländer" erfolgreich aus der Taufe gehoben.
Sollen Kinder mit dem vor allen Dingen im "Tannhäuser" auch sexuell besetzten Begriff der Sünde konfrontiert werden, fragt die 32-Jährige. Doch Regisseurin Reyna Bruns hat mit
ihrem Team eine Übersetzung erarbeitet, mit der sich auch Kinder der Thematik des "Tannhäuser" nähern sollen. Ihr geht es um die Leidenschaft zur Musik, das Thema Freundschaft, den
Gegensatz zwischen der Welt der Wartburg mit ihrer strengen Ordnung und der sehr freien, wilden, aber auch chaotischen Welt der Venus und um eine sehr ernsthafte Debatte über Kunst.
Nach einer fünf Wochen langen schweißtreibenden Arbeit in einer schlichten Probebühne, die innen wie außen eher den Charakter einer Scheune vermittelt, wird Bruns an diesem
Sonntag wenige Stunden vor der "Lohengrin"-Premiere im benachbarten Festspielhaus den "Tannhäuser" für Kinder uraufführen. 200 Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren werden
dann direkt eintauchen in die Welt des Tannhäuser, der Venus und der Elisabeth. Bis zum 3. August sind neun weitere Vorstellungen geplant. Das Interesse des jungen Publikums ist riesig. Die
insgesamt 2000 kostenlosen Karten waren binnen 30 Minuten vergeben.
Bruns hat den "Tannhäuser" für Kinder auf knapp ein Drittel der Originallänge verdichtet. "Erzählerisch ist aber alles drin", ergänzt Bühnenbildnerin Lea Walloschke.
Sie beschreibt den Begriff Erotik mit "Lust auf Leidenschaft im Allgemeinen". Anders als beim "Holländer" gibt es beim "Tannhäuser" keinen Erzähler, der das junge Publikum durch
das Stück führt. Das übernehmen die einzelnen Figuren selbst. Aber auch die jungen Besucher werden in das Geschehen eingebunden, etwa bei der Auswahl der Reihenfolge beim
Gesangswettbewerb.
Mit dem Projekt für Kinder will Katharina Wagner junge Opernbesucher mit dem Werk ihres Urgroßvaters und den unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten vertraut machen.
Unterstützung bekommt sie von der Siemens-Stiftung, die erstmals eine Aufzeichnung der Kinder-Oper vor dem Public Viewing am 21. August ausstrahlen wird.
Um die Musikliebhaber anzulocken, bauen die Veranstalter der Siemens-Festspielnacht einen Wagner-Parcour auf. Dort können die Kinder Instrumente ausprobieren, T-Shirts mit Figuren aus den
Wagner- Opern bemalen und sich von professionellen Maskenbildnern schminken lassen. Zudem erhalten sie bei einer Bühnentechnik-Show Einblicke in die Abläufe auf der Bühne und der
Live-Übertragung aus dem Festspielhaus.
An die musikalischen Dimensionen im Festspielhaus kann die Kinderoper schon aus Platzgründen nicht anknüpfen. Im Vergleich zum "Holländer" 2009 stehen beim "Tannhäuser" aber
doppelt so viele Musiker und Chorsänger auf der Bühne. Dirigent ist Hans-Peter Kirchberg, der Musikalische Direktor der Neuköllner Oper in Berlin. "Dis Musik ist nicht schwer",
entkräftet Lea Walloschke gängige Vorurteile. Im Gegenteil: "Die Musik swingt und fetzt."
Mit Unterstützung der Stiftung der Modehaus-Kette Wöhrl soll das Projekt "Wagner für Kinder" auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden. Welches Stück dann für das
junge Publikum bearbeitet wird, lässt Katharina Wagner noch offen.
dpa
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