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07.03.2010

Theater Hof setzt Zeichen mit "Luther"-Oper

Leben und Wirken des Reformators

HOF/SAALE. Mit der Uraufführung seiner neoromantischen "Luther"-Oper hat das Theater Hof am Freitagabend ein Zeichen im Rahmen der Luther-Dekade der evangelischen Kirche in Deutschland gesetzt.

Das Auftragswerk des österreichischen Komponisten Roland Baumgartner und seines Bremer Librettisten Rolf Rettberg beleuchtet das Leben und Wirken des Reformators. Die Inszenierung von Intendant Uwe Drechsel gewinnt durch die Probleme der katholischen Kirche wie die Missbrauchs-Fälle in Klöstern und die Debatte über den Zölibat ebenso an Aktualität wie durch die Bankenkrise.    Rettberg spannt den historischen Bogen vom Jahr 1505, in dem Luther zum Mönch wird, über dessen Begegnung mit dem prunksüchtigen Papst Leo X. in Rom und den Thesenanschlag von Wittenberg im Jahr 1517 bis zum Reichstag in Worms und zu den Bauernkriegen. In den 19 Bildern von Rudolf Rischer und den aufwändigen Kostümen von Barbara Schwarzenberger ist Regisseur Drechsel eine beeindruckend kurzweilige Inszenierung gelungen, die sich weitgehend an den historischen Fakten orientiert und zum Nachdenken über den Einfluss von Macht und Geld einst und jetzt einlädt.    

Die Bußpraktiken der katholischen Kirche und ihre Ablassbriefe sind Luther ein Dorn im Auge. "Baut lieber Schulen, damit Eure Kinder Gottes Wort in Deutsch hören können", ermuntert der Reformator die Gläubigen zur Abkehr von unterwürfigem Handeln und zu eigenständigem Denken.    

Den unfreiwilligen Gang der Katharina von Bora ins Kloster kommentiert Luther mit der Feststellung: "Gott hat seinen Kindern nicht das Licht gebracht, damit sie sich in der Dunkelheit verlieren." Der Anschlag seiner 95 Thesen zur Reform der Kirche hat die Bannandrohung durch den Papst zur Folge. Auf dem Reichstag zu Worms 1521 rettet ihn Kurfürst Friedrich vor der Verfolgung und bringt ihn auf der Wartburg in Sicherheit. Auch der Teufel in Gestalt eines Bankers mit Geldkoffer kann Luther nicht von seinen Vorstellungen abbringen. "In Gottes Namen wird mehr Blut vergossen als in meinem", leitet der Satan zu den Bauernkriegen über, in denen ein kleiner Junge zu Tode gefoltert wird.    

Am Ende flieht Katharina von Bora aus dem Kloster und gründet mit Luther einen gemeinsamen Hausstand, zum Zorn der Heiligen, von denen der Reformator ebensowenig hält wie vom Zölibat. "Durch Chaos zur Erlösung" prangt über dem grandiosen Finale. Am Ende siegt die Liebe.    

Baumgartners Musik, dargeboten von den Hofer Symphonikern unter Leitung von Arn Goerke, ähnelt anfangs den Klängen von Karl Orff. Im Verlauf des zweieinhalbstündigen Werkes wechselt sie zwischen sakralen Klängen wie Luthers Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" und flotter Musik, zu der die Nonnen tanzen wie in einer Disco. Mit sehr eingänglichen Tönen untermalt Baumgartner nuancenvoll die Verbindung von Luther und Katharina von Bora. Als Sänger beeindrucken Thomas Rettensteiner in der Titelrolle ebenso wie Ingrid Katzengruber als Katharina. Aus den guten stimmlichen Leistungen ragt die renommierte türkische Sopranistin Yelda Kodalli in der Rolle der Heiligen Anna heraus.

dpa

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