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21.02.2010

"Vissi d'arte"

Mirella Freni wird 75

ROM. Ein Kritiker nannte Mirella Freni einst die "schönste Sopranstimme der Schallplatten-Ära".

Der berühmte Dirigent Herbert von Karajan soll über sie gesagt haben, er habe sich mit keiner Sängerin so gut verstanden. Unter seiner Ägide sang sich Mirella Freni als Mimì in "La Bohème" 1963 zu Weltruhm. Für viele Opernfans war Karajans Lieblingssopranistin in ihren Glanzzeiten die weltweit beste Interpretin dieser Rolle. Fünf Jahrzehnte lang stand die Italienerin auf den großen Bühnen der Welt. Bis heute betört sie mit einer "Stimme wie Goldregen". Am Samstag (27.2.) wird Freni 75.

Die Opernkarriere schien der ältesten Tochter eines Beamten aus Modena in die Wiege gelegt zu sein. Ihre Großmutter Valentina Bartolomasi war bereits eine bekannte Sopranistin gewesen. In ihren Kinderjahren in Modena gehört Luciano Pavarotti zu Frenis Spielkameraden - die beiden Mütter arbeiteten gemeinsam in einer Tabakfabrik. Ihr Talent wird früh entdeckt, als sie im zarten Alter von zehn Jahren bei einem Radiowettbewerb eine Arie aus "Madame Butterfly" singt. Und doch vermied die Sopranistin zunächst den Starrummel, wie er sich etwa um ihren Freund Pavarotti bildete.

19-jährig feiert 1955 sie ihr Debüt als Micaëla in Georges Bizets "Carmen" im Teatro Communale ihrer Heimatstadt. Nach der Heirat mit Leone Magiera, Chordirigent am selben Theater, und der Geburt ihrer Tochter Micaëla ein Jahr später, setzt sie jedoch längere Zeit aus. Es heißt, Tenor und Filmschauspieler Beniamino Gigli habe sie vor zu frühen Auftritten gewarnt. Erst nach ihrem Sieg bei einem Wettbewerb in Vercelli im Jahr 1958 findet die Sängerin schließlich ihr Selbstvertrauen, auf die Bühne zu gehen.

1959 singt sie in Amsterdam, 1960 in Glyndebourne, 1961 an der Covent Garden Opera in London. 1963 schafft sie ihren großen Durchbruch an der Scala in der Rolle der Mimì in "La Bohème". Regisseur Franco Zeffirelli hatte sie Karajan empfohlen, der zunächst Renata Scotto vorgesehen hatte. Mirella Freni, damals noch weitgehend unbekannt, katapultiert sich mit der Aufführung über Nacht in die erste Reihe der lyrischen Sopranistinnen ihrer Zeit. Jahrelang gilt sie als die "Mimì vom Dienst" - eine Rolle, von der sie sich erst mit 60 Jahren verabschiedet. Zwischen Karajan und ihr bildet sich ein einzigartiges Zusammenspiel. Freni selbst spricht von geradezu "telepathischem" Einverständnis.

Allerdings auch den einzigen Misston ihrer sonst beneidenswert stabilen Weltkarriere erlebt Freni mit dem Stardirigenten. Nach den Mimì-Triumphen war der Maestro der Meinung, in ihr auch den Star für "La Traviata" gefunden zu haben. Weder Temperament und Technik noch das rundgesichtige, stupsnäsige Aussehen der Sängerin passten jedoch in Verdis Figur der dekadent-fragilen Kurtisane Violetta. Die Scala- Premiere 1964 gerät zum Desaster - Freni wird regelrecht von der Bühne gebuht und erleidet einen Zusammenbruch. Gegen die in dieser Rolle unüberbietbare Maria Callas stand sie auf verlorenem Posten.

Der Einbruch tut ansonsten ihrem Ruhm keinen Abbruch. 1965 tritt sie erstmals an der Metropolitan Opera in New York auf, 1968 beginnt sie, die klassischen Partien für den lyrischen Sopran auch bei den Salzburger Festspielen zu singen. 1976 bereist sie die USA auf einer langen Tournee. Dabei glänzt sie unter anderem unter Georg Solti an der "Met", in der Rolle der Susanna in "Die Hochzeit des Figaro", später unter Karajan mit den Berliner Philharmonikern in der New Yorker Carnegie Hall im Sopran-Part in Verdis "Requiem". Die Welt umjubelt Frenis "Stimme wie Goldregen".

Das Geheimnis ihrer ungewöhnlich langen Karriere kenne sie selbst nicht, sagte die Sopranistin einmal Mitte der 90er Jahre. Kritiker umschrieben es mit den Worten einer Opernfigur: "Vissi d'arte" (Ich habe für die Kunst gelebt). Das Lebens-Resümee der Tosca in Giacomo Puccinis gleichnamiger Oper darf auch Mirella Freni ohne falsche Bescheidenheit für sich in Anspruch nehmen.   

dpa

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