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Jetzt ist er wieder präsent. Am Donnerstag zeigte das Theater Bremen im Neuen Schauspielhaus die Premiere "La Dolce Vita!". Regisseurin Mirja Biel hat aus der opulenten Filmvorlage mit etwa
400 Darstellern ein Kammerspiel mit neun Schauspielern gemacht. Das Publikum feierte die Mischung aus nostalgischen Filmzitaten und modernen Bildideen. Anlass für die Inszenierung ist der
derzeitige Italien-Schwerpunkt des Theaters Bremen.
1960 hatte Fellinis Kinofilm einen Skandal ausgelöst. Dass gleich in der ersten Szene eine Christusstatue von einem Hubschrauber abtransportiert wird, signalisierte die Schieflage einer
ganzen Gesellschaft. Der Moment, in dem Mastroianni mit dem schwedischen Sexsymbol Anita Ekberg mitten in Rom im Trevi-Brunnen planscht, wird heute im Internet so oft angeklickt wie keine andere
Szene des Films. Biels Stärke ist es, dass sie gar nicht erst versucht, das Original zu überbieten oder gar in die Gegenwart zu transportieren. Stattdessen werden Dialoge, Mode und
Musik von damals zitiert und ironisch verändert. Für die Andeutung der Trevi-Szene genügen Dusche und Blondhaarperücke, für die Helikopter-Nummer eine Soundcollage, in
deren Rhythmus der Reporter wie ein Getriebener im Kreis läuft.
"Das süße Leben", das zeigt die zweistündige Inszenierung, ist auch 2010 noch unterhaltsam. Bühnenbilder so eindringlich wie Gemälde machen die eigene Handschrift dieser
Filmadaption aus. Dem zwischen Sinnsuche und Sensation zerrissenen Klatschreporter (Glenn Goltz) wird eine Kunstfigur (Christoph Rinke) gegenüber gestellt, die vieles ist: Mephisto, Popikone
Andy Warhol, Modepapst Klaus Lagerfeld, Sänger Adriano Celentano und zum Schluss sogar die Ekberg - eine Regieidee, die besonders überzeugt hat.
Der schnelle Szenenwechsel, im Film durch den Schnitt möglich, gelingt im Neuen Schauspielhaus durch die Drehbühne. Eine Wand aus kühlen Glasbausteinen öffnet den Blick und
verstellt ihn wieder. Abwechselnd lieben und langweilen sich die Figuren. Der Schatten des Verführers taucht auf, Videos werden eingespielt. In dem einzigen Moment, in dem Marcello und
Multimillionärin Maddalena (Irene Kleinschmidt) zu einer echten Liebeserklärung bereit wären, sind sie sich nur virtuell nah. Die Liebe fällt in sich zusammen wie ein
Soufflé. Hier kommt das Stück im heute an.
Fellini (1920-1993) wäre in diesem Jahr 90 geworden. "La dolce vita" gehört zu seinen berühmtesten Werken. Während sein Sittengemälde der römischen Schickeria und
ihrer Paparazzi bei der Erstaufführung einen Skandal auslöste, wurde der Film kurz darauf beim Filmfestival in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. "Fellinis Kritik an den losen
Sitten der 50er Jahre war visionär", sagte Biel in Bremen kurz vor der Premiere. "Unsere beschleunigte Medienwelt ist heute um vieles hektischer und perverser geworden." Um so mehr habe es
sie überrascht, dass sie diesen Klassiker als erste fürs Theater aufgegriffen habe.
dpa
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