|
So wurde denn der Tannhäuser unversehens zum Probelauf für das ausgerechnet mit Ludwigshafen koproduzierte Großprojekt, das Regieveteran Hansgünther Heyme (Jahrgang 1935!) in
Szene setzen soll. Doch auch für die zur zweiten Vorstellung nach Halle angereiste Eva Wagner-Pasquier ging es um so eine Art Probelauf. Gab doch der als nächster Bayreuther
Tannhäuser gebuchte Schwede Lars Cleveman in diese Mordspartie hier sein Rollendebüt.
Und zur Beruhigung der Festspiel-Cochefin und zum Staunen des Publikums hielt er sie mit einer bewundernswerten Kondition und Sicherheit durch. Inklusive Romerzählung. Allerdings schmetterte
er seinen Heinrich mit einem solchen Dauer-Überdruck, als gälte es ein vielfach größeres Haus zu füllen. Was zwar imponierend war, aber natürlich auf Kosten einer
wirklich ausleuchtenden Gestaltung geht.
Da wurde der Aufritt von Romelia Lichtenstein als Elisabeth zu einem Musterbeispiel dafür, wie man mit Professionalität eine Partie singend gestaltet, ohne dabei permanent die leisen
Töne zu unterschlagen. Auch Ulrike Schneiders Venus hat dramatisches Format und der junge Bariton Sebastian Noack nutzte die Wolfram Vorlagen so überzeugend, dass man sich diesen Namen
merken muss! Das gilt ebenso für Sophie Klußmanns glockenklaren Hirtenknabe und Christoph Stegemanns jugendlich sonoren Landgrafen.
Steffens überzeugte mit der Staatskapelle ohne jede Einschränkung in den rein orchestralen Passagen, konnte sich ansonsten aber nicht immer gegen die Widrigkeiten einer Szene
durchsetzen, die – man kann es nicht anders sagen - in die Kategorie grober Unfug fällt. Ein so verkorkstes Konzept auch noch so dilettantisch umzusetzen, jede Personenregie zu
ignorieren und sich jeden Raum mit einer Adaption von Eisenmanns Berliner Holocaust-Denkmal selbst zu verbauen, und damit ausgerechnet Tannhäuser der albernen Lächerlichkeit
preiszugeben (wie Regisseur Christian Georg Fuchs, Bühnenbildner Gregor Sturm und Kostümbildnerin Gisa Kuhn), das muss man erst mal hinbekommen!
Den Sängerwettstreit, der sich ja eigentlich von selbst spielt, zu einer vollkommen spannungsfreien Nummernfolge zu entschärfen, das ist eine Leistung. Aber eine, auf die man genauso
gut verzichten könnte, wie auf die alberne Ausstaffierung der Sänger mit Pferdehinterteilen, oder die Ausstattung der Pilger mit schemenhaften Huckepackfiguren oder die Dopplung der
Venus durch einen Riesenpuppenkopf mit klimpernden Augenlidern und separat herum getragenen Händen und des Landgrafen durch einen Riesenkasperl, an dessen Bart man ziehen muss, um die
Kinnlade in einer Art Playback auf und zu zu klappen.
Warum nur - beim Barte des Landgrafen ! – hat sich dieser inszenatorischen Nullnummer im Hause niemand entgegengestellt?
|