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08.02.2010

Beim Barte des Landgrafen!

Der neue Bayreuther Tannhäuser Lars Cleveman gab in Halle sein Rollendebüt

HALLE/BAYREUTH. In der Händelstadt Halle hat sich der Chef der Staatskapelle vorgenommen, fürs dräuende Wagnerjahr einen Ring zu stemmen. Obwohl so ein Würdigungskraftakt natürlich eigentlich in die Geburtsstadt Leipzig gehören oder ins viel wagnerkompatiblere Dessauer Theater passen würde. Aber wenn man, wie der ambitionierte GMD Karl-Heinz Steffens, gleichzeitig der künstlerische Chef der Oper ist, dann kann man einer solchen Versuchung offenbar nicht widerstehen.

So wurde denn der Tannhäuser unversehens zum Probelauf für das ausgerechnet mit Ludwigshafen koproduzierte Großprojekt, das Regieveteran Hansgünther Heyme (Jahrgang 1935!) in Szene setzen soll. Doch auch für die zur zweiten Vorstellung nach Halle angereiste Eva Wagner-Pasquier ging es um so eine Art Probelauf. Gab doch der als nächster Bayreuther Tannhäuser gebuchte Schwede Lars Cleveman in diese Mordspartie hier sein Rollendebüt.

Und zur Beruhigung der Festspiel-Cochefin und zum Staunen des Publikums hielt er sie mit einer bewundernswerten Kondition und Sicherheit durch. Inklusive Romerzählung. Allerdings schmetterte er seinen Heinrich mit einem solchen Dauer-Überdruck, als gälte es ein vielfach größeres Haus zu füllen. Was zwar imponierend war, aber natürlich auf Kosten einer wirklich ausleuchtenden Gestaltung geht.

Da wurde der Aufritt von Romelia Lichtenstein als Elisabeth zu einem Musterbeispiel dafür, wie man mit Professionalität eine Partie singend gestaltet, ohne dabei permanent die leisen Töne zu unterschlagen. Auch Ulrike Schneiders Venus hat dramatisches Format und der junge Bariton Sebastian Noack nutzte die Wolfram Vorlagen so überzeugend, dass man sich diesen Namen merken muss! Das gilt ebenso für Sophie Klußmanns glockenklaren Hirtenknabe und Christoph Stegemanns jugendlich sonoren Landgrafen.

Steffens überzeugte mit der Staatskapelle ohne jede Einschränkung in den rein orchestralen Passagen, konnte sich ansonsten aber nicht immer gegen die Widrigkeiten einer Szene durchsetzen, die – man kann es nicht anders sagen - in die Kategorie grober Unfug fällt. Ein so verkorkstes Konzept auch noch so dilettantisch umzusetzen, jede Personenregie zu ignorieren und sich jeden Raum mit einer Adaption von Eisenmanns Berliner Holocaust-Denkmal selbst zu verbauen, und damit ausgerechnet Tannhäuser der albernen Lächerlichkeit preiszugeben (wie Regisseur Christian Georg Fuchs, Bühnenbildner Gregor Sturm und Kostümbildnerin Gisa Kuhn), das muss man erst mal hinbekommen!

Den Sängerwettstreit, der sich ja eigentlich von selbst spielt, zu einer vollkommen spannungsfreien Nummernfolge zu entschärfen, das ist eine Leistung. Aber eine, auf die man genauso gut verzichten könnte, wie auf die alberne Ausstaffierung der Sänger mit Pferdehinterteilen, oder die Ausstattung der Pilger mit schemenhaften Huckepackfiguren oder die Dopplung der Venus durch einen Riesenpuppenkopf mit klimpernden Augenlidern und separat herum getragenen Händen und des Landgrafen durch einen Riesenkasperl, an dessen Bart man ziehen muss, um die Kinnlade in einer Art Playback auf und zu zu klappen.

Warum nur - beim Barte des Landgrafen ! – hat sich dieser inszenatorischen Nullnummer im Hause niemand entgegengestellt?

Quelle: Joachim Lange
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