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"Die Quelle ist eigentlich wie eine Familie", sagt eine Frau in die Kamera und ein Mann erklärt zuversichtlich: "Die Frau Schickedanz wird sich um uns kümmern". Doch der kurze Einspieler
endet für die Mitarbeiter katastrophal. "Die Quelle" wird vom Insolvenzverwalter abgewickelt. Zurück bleiben leere Regale im Nürnberger Kaufhaus - und tausende Arbeitslose.
Es ist ein Abend voller Trauer und Wut - aber auch Hoffnung: Umringt von Hunderten Katalogen schildern acht frühere Beschäftigte in dem Stück "Die Menschen von Primondo und Quelle"
ihre Erinnerungen an die Arbeit, den plötzlichen Verlust ihres Jobs und ihre Zukunftsängste. "Wir wollten den tausenden Mitarbeitern ein Gesicht geben", erklärt der zuständige
Theaterpädagoge Johannes Beissel die Idee hinter dem Projekt. Schließlich habe das Versandhaus für die Region Nürnberg-Fürth eine große Bedeutung gehabt. Auch
deshalb sind die Ränge des Schauspielhauses am Montagabend fast voll besetzt.
In Form von Gedichten, Musikstücken oder auch als Märchen präsentieren die früheren Beschäftigten ihre Gefühle. Unterstützt werden die Laiendarsteller dabei von
professionellen Künstlern aus der Region. Immer wieder hallt begeisterter Applaus durch den prunkvollen Theatersaal. Etwa für das Lied "Ich bin...", in dem drei frühere
Quelle-Mitarbeiter beschwören, sich nicht unterkriegen zu lassen: "Ihr werdet mich nicht klein kriegen. Denn: Wir sind noch nicht tot!" tönt es immer wieder.
Lautes Gelächter bricht im Saal aus, als ein riesiges Schwarz- Weiß-Foto von Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz auf der Leinwand erscheint. Daneben zu lesen: "Ich muss beim Discounter
kaufen." Mit Kopfschütteln reagiert das Publikum auf eine scheinbar nicht enden wollende Bilder-Galerie, in der alle Topmanager von 1983 bis 2009 gezeigt werden.
Auch Kritik an den Fortbildungsmaßnahmen der Arbeitsagentur wird laut: "Alles, was ich bei euch lerne, ist Briefe einkuvertieren!", ruft Sibylle Mantau, die früher in der
Markenkommunikation tätig war. Und eine Ex-Mitarbeiterin der Werbeabteilung berichtet ironisch über die "Dauerbaustelle Quelle".
"Die einzelnen Versatzstücke, aus denen die Aufführung besteht, sind extrem unterschiedlich", erklärt Beissel. Genauso wie der Inhalt: "Von beißender Ironie über Spott
bis hin zu grenzenloser Trauer." Das Projekt solle den gekündigten Mitarbeitern helfen, das Erlebte aufzuarbeiten. "Die Botschaft, die am Ende steht, soll aber sein, dass es eine Zukunft
gibt."
Am Ende der 90-minütigen Aufführung applaudieren die Zuschauer begeistert, viele erheben sich von den Stühlen. "Das Stück hat den Nagel auf den Kopf getroffen", sagt
Zuschauerin Ilka Schmidt. "Das haben wir alles durchlebt, die ganzen Umstrukturierungen." Sie selbst war bis 2002 in der Quelle-Personalleitung beschäftigt. "Ich kenne einige, die jetzt
arbeitslos sind", sagt die 64-Jährige.
Auch der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) betritt zum Schluss die Bühne und wendet sich an das Publikum: "Wir wurden Zeugen eines unglaublichen Theaterabends. Es war
ergreifend und gelungen." Und der selbst von der Quelle-Abwicklung betroffene Unternehmenssprecher Manfred Gawlas sagt: "Es war gleichermaßen voller Würde wie auch beeindruckend." Die
Menschen hätten mutig ihr Innerstes nach außen gekehrt.
dpa
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