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09.09.2009

Bayreuth kann sich auf seine Mäzene verlassen

5250 Freunde aus über 40 Ländern leisten jährlich einen festen Beitrag

BAYREUTH. Bayreuth kann sich auf seine Mäzene verlassen. In den 60 Jahren seit ihrer Gründung hat die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth die Richard-Wagner-Festspiele mit mehr als 60 Millionen Euro unterstützt.

Neben dem Bund, dem Freistaat Bayern, der Stadt Bayreuth und dem Bezirk Oberfranken leisten die 5250 Freunde aus über 40 Ländern jährlich einen festen Beitrag zum Spielbetrieb. Seit 1990 finanzieren sie zudem alle notwendigen Investitionen im Festspielhaus, den Probebühnen und Werkstätten. Seit einem Jahr ist die Gesellschaft auch zu 25 Prozent an der Bayreuther Festspiele GmbH beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die Festspiele vor dem Nichts. Um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs abzusichern, schlug ein Freund der Familie Wagner im Mai 1949 eine Industrieumlage von 100 Mark pro Unternehmen vor. Im September wurde der Mäzenatenverein gegründet. Ihm gehörten unter anderem Krupp-Chef Berthold Beitz, der Keks-Fabrikant Hans Bahlsen, Knorr-Bremse-Vorstand Joachim Vielmetter und Telefunken-Direktor Martin Schwab an. Für Wolfgang Wagner war dies die "Initialzündung für die nun folgenden weiteren Finanzierungsbemühungen", wie er 1994 in seiner "Lebens-Akte" schrieb.  

 Mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden von mehr als drei Millionen Euro pro Jahr zählen die Freunde von Bayreuth heute zu den größten und finanzstärksten Mäzenaten-Gesellschaften in Deutschland. Ein Markenzeichen ist die sehr große personelle Kontinuität in der personellen Führung. Der ehemalige Bremer Wirtschaftssenator Peter Gloystein ist erst der fünfte Vorsitzende seit 1949. Er löste im Mai Karl-Gerhard Schmidt ab, der dem Vorstand 40 Jahre lang zunächst als zweiter Vorsitzender, dann als erster Vorsitzender angehörte und zugleich als Schatzmeister fungierte. Seit dem frühen Tod seines Vaters 1959 war Karl-Gerhard Schmidt einer der engsten Wegbegleiter und finanzielle Berater von Wolfgang Wagner. "Der hat immer den Deckel auf dem Topf gehalten", attestiert er dem Patriarchen am "Grünen Hügel". Nachdem Bund und Land fünf Jahren ihre Zuschüsse eingefroren hatten, mussten die Mäzene 2006 in die Bresche springen und die Neuinszenierung des "Ring des Nibelungen" finanzieren.   

Die Sparsamkeit des langjährigen "Hügel"-Chefs hat zu einem Nachholbedarf bei den Investitionen geführt. Neben technischen Verbesserungen benötigen die Festspiele dringend eine neue Probebühne, etwa als künftige Spielstätte für die Kinder-Oper und Magazine für die überdimensionalen Bühnenbilder. "Die Anforderungen an die Gesellschaft der Freunde werden steigen", sagt der neue Vize Ulrich Andreas Vogt. "Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner haben eine Menge Ideen." Um die Mitgliederbasis zu verbreitern, wurde im vergangenen Jahr eine eigene Jugendorganisation mit deutlich niedrigeren Beiträgen aus der Taufe gehoben. Ganz neu ist auch eine Servicegesellschaft, die gemeinsam mit der Medien GmbH der Festspiele professionelles und systematisches Sponsoring auch auf internationaler Ebene betreiben soll. Zusätzlicher finanzieller Druck ist durch den Tarifvertrag entstanden, der Ende Juli wenige Stunden vor der Premiere abgeschlossen wurde. Insider rechnen damit, dass im kommenden Jahr auch Chor und Orchester höhere Gagen fordern. Um einen modernen Spielbetrieb am "Grünen Hügel" zu gewährleisten, wollen der alte und der neue Vorstand der Mäzene auch den Bund und das Land Bayern stärker in die Pflicht nehmen. "Die öffentlichen Zuschussgeber müssen sich viel mehr engagieren", fordert Karl-Gerhard Schmidt. "Wenn man das weltweite Renommee der Festspiele nutzt, muss man wissen, dass sie auch finanziert werden müssen". Für 2010 haben Bund und Land bereits eine Anhebung ihrer Zuschüsse von rund zwei auf jeweils 2,3 Millionen Euro zugesagt. Der Etat der Festspiele beläuft sich auf rund 14 Millionen Euro.

dpa
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