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02.07.2010

Umjubelte Ballett-Uraufführung von "Poppea/Poppea"

Opern- Klassiker als modernes Ballett-Bravourstück

STUTTGART. Die Liebe? Ein schwieriges Thema. Worüber schon so viele Worte verschwendet worden seien, sagt eine Tänzerin bei der Ballett-Uraufführung von "Poppea/Poppea" in gestelzten Phrasen.

Und so bleiben Worte rar bei dem umjubelten Premierenabend am Donnerstag im Theaterhaus Stuttgart. Gesagt wird dennoch sehr viel: Die freie Compagnie Gauthier Dance erzählt in virtuoser Körpersprache die fatale und zugleich sentimentale Liebesbeziehung zwischen dem römischen Kaiser Nero und seiner Geliebten Poppea. Bis sie Kaiserin werden kann, fließt viel Blut. Choreograph Christian Spuck, der 2012 Direktor des Zürcher Balletts wird, gelingt eine furiose Ballett-Version der Monteverdi-Oper "Die Krönung der Poppea".

Auf der Bühne ist ein riesiges Kamelienblüten-Bild zu sehen - die Kamelie gilt in der Literatur und Kunst auch als Symbol für den Tod. Mit dem Bild verweist Bühnenbildnerin Emma Ryott auf die große Tradition des benachbarten, ungleich größeren Balletts am Württemberger Staatstheater. Dort wurde "Die Kameliendame" 1978 als Ballett uraufgeführt, dort feierten der heutige Compagnie-Leiter Eric Gauthier und Choreograph Spuck in den vergangenen Jahren große Erfolge. Auf der kleineren Bühne am Theaterhaus haben sie freie Bahn, ihre Lust am Anarchisch-Kreativen auszutanzen.

Schon erste Musik-Einspielungen brechen die Konventionen: Der klassische Auftakt der Monteverdi-Oper von 1642 wird wie von einem DJ am elektronischen Mischpult gescratcht, wiederholt, zerstückelt. Später wechseln sich sakrale Gesänge, klassische Musik von Schumann, Cembalo-Klänge, Rockmusik und E-Musik ab. Wenn Cat Powers Song "Hate" erklingt, brechen die synchronen Bewegungen nebeneinanderstehender Tänzer auf und enden im menschlichen Knäuel zuckender Gliedmaßen. Das Tanzensemble, aus dessen grandioser Gesamtleistung Giuseppe Spota als verschmähter Mann von Poppea (Garazi Perez Oloriz) noch hervorsticht, ist in barocke Kostüme mit Halskrause und Schulterpolster gekleidet.

Choreograph Spuck gelingt eine ganz eigene, intensive Körpersprache, die von geschmeidigen Bewegungen fast übergangslos zu eckiger Mechanik wechselt. Der 33-jährige Compagnie-Chef Gauthier tanzt inbrünstig den Kaiser Nero, der seine Gattin Ottavia ermordet , um den Weg freizumachen für Poppea auf dem Thron. Leider verliert Gauthier am Ende des 80-minütigen Spektakels den Glauben daran, dass wortloser Tanz zur Darstellung großer Geschichten genügt. Dem Wahnsinn Neros verleiht er mit Geschrei Ausdruck. Eingespielte Videocollagen mit ertrinkenden und verblutenden Menschen verschaffen den Tänzern auf der Bühne eine Atempause, die Zuschauer reißen sie allerdings aus dem choreographischen Sog heraus. Doch das sind nur marginale Schwächen bei einer Premiere, die von den 650 Zuschauern im Saal mit langanhaltenden Bravo-Rufen bedacht wurde.

dpa

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