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09.03.2010

Kiez-Stück "Ritze" feiert Premiere

Liederabend auf der Vergnügungsmeile

HAMBURG. Kiez-Kult, Schweiß und starke Männer: Im Hamburger St. Pauli-Theater hat am Montag die Show "Ritze" Premiere gefeiert.

Der Liederabend spielt in der gleichnamigen Kneipe auf der Vergnügungsmeile Reeperbahn mit dem berühmt-berüchtigten Box-Ring im Keller. Um ihn sammeln sich verlorene Seelen und verkrachte Überlebenskünstler wie Ex-Champion "Jochen der Rochen", gespielt von Torsten Hammann ("Ich mach nicht viele Worte, ich bin mehr ein Mann der Tat") oder George Meyer-Goll, als melancholischer Lyriker Paul Paulaner ("Ich sauf, und zwar mit System"). Die mehr als 40 Songs basieren auf Stücken wie "The Boxer" von Simon & Garfunkel oder der Rocky-Hymne "Eye Of The Tiger" (Survivor). Gelungen adaptiert werden auch Lieder von Rammstein, Jan Delay, Robbie Williams oder den Beatles.

Für verruchten Charme sorgt die dominante Bardame Carmen (Susanne Jansen), die ihre besten Jahre hinter sich hat ("So viel Schnaps kann ich gar nicht kippen, um nicht völlig auszuflippen"). Aus einer anderen Welt scheint Abiturient Benni (Luk Pfaff), der sich auf seinem "Abschussball" in die Kiez-Kaschemme verirrt hat. Mit schmachtvollen Liedern ("Angel", "Das Kompliment") versucht er bei der von zu Hause ausgebüxten Lara-Sophie (Lisa Huk) zu landen. Aber das Mädchen lässt ihn immer wieder abblitzen, so dass er sich - frei nach Xavier Naidoo - eingestehen muss: "Sie sieht mich einfach nicht". Letzter Teil der St. Pauli-Trilogie

Sehr unterhaltsam sind die unterschiedlichen Auftritte von Peter Franke - etwa als Lara-Sophies Vater, als Mörder Klaus oder als versoffener Fußballfan aus dem Rheinland. Nach einer kurzweiligen, rund zweistündigen Show verabschiedet sich das Ensemble mit drei Zugaben vom begeisterten Publikum.

Komponist und Regisseur Franz Wittenbrink hat mit "Ritze" seine St. Pauli-Trilogie vollendet. Im ersten Teil "Lust" (2006) kam die Putzkolonne einer Tabledance-Bar zu Wort. "Nacht-Tankstelle", ein Weihnachtsstück für Erwachsene, entstand zwei Jahre später nach dem Vorbild einer Kiez-Tankstelle, an der sich Gestrandete am Heiligabend sammeln. Auch für sein jüngstes Werk orientierte sich der 61-Jährige an einem Originalschauplatz. Schräg gegenüber dem Theater, versteckt in einem Hinterhof der Reeperbahn, liegt die Kneipe "Zur Ritze". Der Name erklärt sich beim Blick auf den Eingang zwischen zwei gespreizten, überdimensionalen Frauenbeinen.

Drinnen an der Bar finden alle beim Bier zusammen, ob Prominente, Prostituierte oder Touristen. Und im Boxkeller standen schon Eckhard Dagge, René Weller, Henry Maske oder Dariusz Michalczewski im Ring. "Ich habe zwei, drei Nächte an der Theke verbracht, um mich inspirieren zu lassen", erzählt Regisseur Wittenbrink. Die Umsetzung scheint gelungen, denn Lob gab es sogar von "Ritze"-Wirt Hanne Kleine persönlich. "Mir hat es sehr gut gefallen", sagt das Kiez-Urgestein nach der Premiere. Und er muss es ja wissen. Schließlich steht er seit Jahrzehnten hinter der Theke.

dpa

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