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In Nüblings zum Teil drastischer Inszenierung kommen unterschiedlichste Ebenen zusammen: Das die Heldin verherrlichendes Oratorium von Vivaldi trifft auf Hebbels biedermeierliches Drama mit
einer von Selbstzweifeln geplagten Judith; klassische Theatersprache trifft auf zeitgenössische, teils plakativ politische, teils obszöne Texte, die von der Schauspielerin Anne Tismer
verfasst wurden.
Auch musikalisch prallen Welten aufeinander: Die auf historischen Instrumenten gespielte feierliche Barockmusik und die mit kunstvollen Koloraturen gespickten Arien werden mit modernen
Klängen und Free Jazz verknüpft. Der Komponist Lars Wittershagen setzt dabei Saxofone, Schlagzeug und elektronische Verfremdungen ein. Eine von Judiths Arien wird vom Orchester unter
Lutz Rademacher und dem Mezzosopran Tajana Raj im Stile einer lasziven Jazznummer interpretiert.
Die beiden Protagonisten treten in mehrfacher Ausführung auf. Gleich sechs schwarz gekleidete Holofernesse, zwei davon von Opernsängern verkörpert, streichen verschiedene Facetten
des Feldherren heraus. Judith ist auf drei sehr unterschiedliche Figuren aufgeteilt: die erhabene Vivaldi-Judith (Tajana Raj), die innige Hebbel-Judith (Stephanie Schönfeld) und eine
vulgäre, von Anne Tismer dargestellte moderne Frauenfigur. Dazu kommen noch vier Sänger, die Bibelzitate in rhythmischem Sprechgesang vortragen.
Die kahle Bühne (Muriel Gerstner) mit ihrer verschiebbaren Rückwand füllt sich im Laufe der Aufführung mit allerlei Unrat wie leeren Wasserflaschen und den Splittern
zerschlagener Holofernes- Köpfe. Am Ende unternimmt Regisseur Nübling auf der Perner-Insel in Hallein bei Salzburg eine Reise durch die europäische Kunstgeschichte: Die blutige
Enthauptungsszene wird in Form einer Vielzahl sogenannter tableau vivant (lebende Bilder) präsentiert, die von klassischen bildenden Künstlern wie Tintoretto oder Donatello inspiriert
sind.
Die Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart und der Staatsoper Stuttgart feiert am 10. Oktober in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Deutschlandpremiere.
dpa
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