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Michael Frayn, einer der profiliertesten Autoren Großbritanniens, ist ein bewährter Brückenbauer zwischen der Insel und dem Kontinent. Für sein Stück "Democracy"
("Demokratie") vom Mai 2004 über Willy Brandt und die Ostpolitik ist er in Großbritannien mit dem Evening Standard-Preis und dem Critics Circle Award ausgezeichnet worden. Auch sein
neues Schauspiel "Afterlife" ("Nachleben") beschäftigt sich mit einer historischen Persönlichkeit aus dem deutschen Sprachraum, mit dem Theatermann Max Reinhardt. Die Uraufführung
am Dienstagabend im Royal National Theatre, dem Flaggschiff britischer Bühnen, fand begeisterten Beifall im ausverkauften Lyttleton, dem Kammerspiel des Königlichen Nationaltheaters.
Max Reinhardt war einer der erfolgreichsten Theaterregisseure und -manager am Anfang des 20. Jahrhunderts: Er konnte nach seinem Aufstieg in Berlin, wo er das Deutsche Theater und andere
Bühnen leitete, auch international Erfolge verbuchen. Reinhardt gehörte zu den Gründern der Salzburger Festspiele - hier setzt Michael Frayn an. Er betont den Zusammenhang zwischen
dem "Jedermann", der noch heute jedes Jahr auf Salzburgs Domplatz aufgeführt wird, und dem Schicksal Reinhardts, der nach seinen überwältigenden Erfolgen von den
Nationalsozialisten als Jude verfolgt wurde und in den Vereinigten Staaten Zuflucht suchte.
Regisseur Michael Blakemore stellt sich mit seiner Inszenierung ganz in den Dienst des Zweiakters und präpariert den Gegensatz von Kunst und Leben, den Reinhardt überwinden wollte,
heraus. Die christliche Lehre des "Jedermann", dass die Reichen in ihrem Glück die Armen nicht vergessen dürfen, vernachlässigt Reinhardt sträflich. Als er auf der Höhe
seines Ruhms wie ein Fürst in einem Schloss residiert, verliert er den Zusammenhang zu dem wirklichen Leben: Finanzen und Politik delegiert er an andere. Frayn macht deutlich, dass eine
Kunst ohne Bodenhaftung zu Reinhardts Ziel, die Grenze zwischen Theater und Leben aufzuheben, in schroffen Gegensatz gerät.
Roger Allam spielt Max Reinhardt als widersprüchlichen Theatermann; seine üppigen Inszenierungen und seine rauschenden Feste sind nicht Ausdruck seines Willens - er wird vom Erfolg
getrieben. Eine Schlüsselszene ist das Auftreten des Mammons. Max Reinhardt verwandelt sich in Jedermann. Der schleppt seinen Reichtum in einer Kiste mit zum Grab. Da springt der Mammon
heraus - er will weiterleben. Als Jedermann/Reinhardt ihm befehlen will, belehrt ihn der Mammon: nicht Jedermann sei der Herr, der Reichtum der Knecht, sondern umgekehrt. Eine wirksame Szene
schon bei Hofmannsthal - bei Frayn eine scharfe Kritik an Künstlern, die ihr Gewissen für ein Linsengericht verkaufen.
Der Zweiakter endet versöhnlich. Nach Reinhardts Tod im ärmlichen amerikanischen Exil zeigt die Szene, dass der Künstler in seinem Werk weiterlebt: "Afterlife" - "Nachleben".
Reinhardt hat die Mahnung des "Jedermann" in den Wind geschlagen, aber jedes Jahr wird sie neu wiederbelebt, wenn die mittelalterliche Moralität aufgeführt wird, am prominentesten auf
dem Domplatz in Salzburg. Genau dort sollte Frayns "Afterlife" gespielt werden - auf Deutsch. Als Verstärkung des "Jedermann" und als Tribut an einen großen
Künstler. dpa
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