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14.06.2006

Das Alter, die Jugend, die Kunst

Brittens Tod in Venedig als Oper im Festspielhaus 2007

Tod in Venedig, die letzte Oper des britischen Komponisten Benjamin Britten (1913-1976) wird im Sommer 2007 als Oper im Festspielhaus zu erleben sein. Premiere dieser Kooperation mit dem englischen Aldeburgh Festival ist am 18. Juli 2007, für die Inszenierung zeichnet der japanische Schauspieler und Regisseur Yoshi Oida verantwortlich.

Uraufgeführt am 16. Juni 1973 im Rahmen des Aldeburgh Festivals, orientiert sich der Handlungsablauf von Tod in Venedig an der 1912 erschienenen, gleichnamigen Novelle von Thomas Mann. Mit deren Hauptfigur, dem Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der von seinem Wohnort München nach Venedig flieht, sich seiner schwindenden Lebenskraft bewusst und verzweifelt auf Inspiration hoffend, hat sich Benjamin Britten mit großer Wahrscheinlichkeit stark identifiziert. In seltsamen Tagträumen gefangen verbringt Aschenbach die Urlaubstage in Venedig rastlos zwischen Hotel und Strand und verlebt die Stunden mit dem Beobachten der übrigen Gäste. Als er sich in den 12-jährigen polnischen Knaben Tadzio verliebt, beginnt Aschenbach, die Grenzen seiner bisherigen Welt zu überschreiten. Er glaubt, in Tadzio die Möglichkeiten vollkommener Form zu erkennen, um die er als Schriftsteller sein Leben lang gekämpft hat.

Brittens letztes großes Meisterwerk
"Tod in Venedig ist Brittens letztes großes Meisterwerk. Diese ergreifende Beschreibung der Lebens- und Schaffenskrise eines alternden Autors trägt dabei natürlich offensichtlich autobiographische Züge des Schriftstellers Thomas Mann", erklärt Intendant David Pountney, "Britten war absolut klar, dass Tod in Venedig sein letztes großes Werk werden würde, und so beschwor er in dieser Oper das vielleicht zentrale Problem seines künstlerischen und persönlichen Lebens herauf: die Beziehung zwischen kreativer Inspiration und Sexualität. Es fällt schwer, sich eine bessere Übereinstimmung zwischen einem Künstler und seinem Thema vorzustellen."

Bewusste Zusammenfassung seines Lebenswerks
Thomas Manns Novelle weist zahlreiche dramatische Motive auf, die sich auch in Benjamin Brittens Leben und Arbeit wiederfinden: Die Oper Tod in Venedig erscheint damit auch als ein Versuch Brittens, selbst eine bewusste Zusammenfassung seines Lebenswerks zu schaffen. Darüber hinaus ist Tod in Venedig aber auch ein Tribut an die Stimme und die Fähigkeiten von Brittens langjährigem Partner, dem Tenor Peter Pears, dem das Werk auch gewidmet ist.

Obwohl die Musik von Tod in Venedig eher zurückhaltend und ihre Strukturen eher sparsam sind, wird das Werk dennoch von einer sehr markanten und bewegenden Atmosphäre beherrscht. Die Nicht-Beziehung zwischen Aschenbach und Tadzio unterstreicht Britten, indem er alle Personen rund um Tadzio als Tänzer ohne Gesangspart erscheinen lässt, begleitet von gleissend-farbenfrohen Schlagwerk-Klängen, die die offensichtliche Entrücktheit Tadzios noch verstärken.

Zweite Koproduktion mit dem Aldeburgh Festival
Sehr erfreut zeigt sich Intendant David Pountney auch über die Zusammenarbeit mit dem Aldeburgh Festival, das bereits im Sommer 2004 Festspiel-Koproduktionspartner für Sir Harrison Birtwistles The Io Passion war: "Wir sind sehr stolz darauf, dass Tod in Venedig eine Koproduktion mit dem Aldeburgh Festival ist. Schließlich hat Britten dieses Festival selbst gegründet – es ist durchdrungen von seiner Musik, seiner Kultur und seiner Tradition. Tradition bedeutet aber nicht Versteinerung: Die Mitwirkung des japanischen Schauspielers und Starregisseurs Yoshi Oida wird der Produktion einen großartigen Input an künstlerischer Innovation verleihen. Oida ist selbst ein Veteran seines Berufs und wird sich diesem Projekt mit einer ähnlichen autobiographischen Sensibilität nähern. Mit seinem erlesenen ästhetischem Gespür wird er Brittens bewegende Beschreibung des Endspiels eines Künstlers auf bemerkenswerte und einzigartige Weise zum Leben erwecken."

 

Für die Inszenierung der Oper im Festspielhaus 2007 zeichnet der japanische
Schauspieler und Starregisseur Yoshi Oida verantwortlich.
 
Foto: Pascal Victor

Quelle: Bregenzer Festspiele
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