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Uraufgeführt am 16. Juni 1973 im Rahmen des Aldeburgh Festivals, orientiert sich der Handlungsablauf von Tod in Venedig an der 1912 erschienenen, gleichnamigen Novelle von Thomas
Mann. Mit deren Hauptfigur, dem Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der von seinem Wohnort München nach Venedig flieht, sich seiner schwindenden Lebenskraft bewusst und verzweifelt auf
Inspiration hoffend, hat sich Benjamin Britten mit großer Wahrscheinlichkeit stark identifiziert. In seltsamen Tagträumen gefangen verbringt Aschenbach die Urlaubstage in Venedig
rastlos zwischen Hotel und Strand und verlebt die Stunden mit dem Beobachten der übrigen Gäste. Als er sich in den 12-jährigen polnischen Knaben Tadzio verliebt, beginnt
Aschenbach, die Grenzen seiner bisherigen Welt zu überschreiten. Er glaubt, in Tadzio die Möglichkeiten vollkommener Form zu erkennen, um die er als Schriftsteller sein Leben lang
gekämpft hat.
Brittens letztes großes Meisterwerk
"Tod in Venedig ist Brittens letztes großes Meisterwerk. Diese ergreifende Beschreibung der Lebens- und Schaffenskrise eines alternden Autors trägt dabei natürlich
offensichtlich autobiographische Züge des Schriftstellers Thomas Mann", erklärt Intendant David Pountney, "Britten war absolut klar, dass Tod in Venedig sein letztes großes
Werk werden würde, und so beschwor er in dieser Oper das vielleicht zentrale Problem seines künstlerischen und persönlichen Lebens herauf: die Beziehung zwischen kreativer
Inspiration und Sexualität. Es fällt schwer, sich eine bessere Übereinstimmung zwischen einem Künstler und seinem Thema vorzustellen."
Bewusste Zusammenfassung seines Lebenswerks
Thomas Manns Novelle weist zahlreiche dramatische Motive auf, die sich auch in Benjamin Brittens Leben und Arbeit wiederfinden: Die Oper Tod in Venedig erscheint damit auch als ein Versuch
Brittens, selbst eine bewusste Zusammenfassung seines Lebenswerks zu schaffen. Darüber hinaus ist Tod in Venedig aber auch ein Tribut an die Stimme und die Fähigkeiten von
Brittens langjährigem Partner, dem Tenor Peter Pears, dem das Werk auch gewidmet ist.
Obwohl die Musik von Tod in Venedig eher zurückhaltend und ihre Strukturen eher sparsam sind, wird das Werk dennoch von einer sehr markanten und bewegenden Atmosphäre beherrscht.
Die Nicht-Beziehung zwischen Aschenbach und Tadzio unterstreicht Britten, indem er alle Personen rund um Tadzio als Tänzer ohne Gesangspart erscheinen lässt, begleitet von
gleissend-farbenfrohen Schlagwerk-Klängen, die die offensichtliche Entrücktheit Tadzios noch verstärken.
Zweite Koproduktion mit dem Aldeburgh Festival
Sehr erfreut zeigt sich Intendant David Pountney auch über die Zusammenarbeit mit dem Aldeburgh Festival, das bereits im Sommer 2004 Festspiel-Koproduktionspartner für Sir Harrison
Birtwistles The Io Passion war: "Wir sind sehr stolz darauf, dass Tod in Venedig eine Koproduktion mit dem Aldeburgh Festival ist. Schließlich hat Britten dieses Festival selbst
gegründet – es ist durchdrungen von seiner Musik, seiner Kultur und seiner Tradition. Tradition bedeutet aber nicht Versteinerung: Die Mitwirkung des japanischen Schauspielers und
Starregisseurs Yoshi Oida wird der Produktion einen großartigen Input an künstlerischer Innovation verleihen. Oida ist selbst ein Veteran seines Berufs und wird sich diesem Projekt mit
einer ähnlichen autobiographischen Sensibilität nähern. Mit seinem erlesenen ästhetischem Gespür wird er Brittens bewegende Beschreibung des Endspiels eines
Künstlers auf bemerkenswerte und einzigartige Weise zum Leben erwecken."
Für die Inszenierung der Oper im Festspielhaus 2007 zeichnet der japanische
Schauspieler und Starregisseur Yoshi Oida verantwortlich.
Foto: Pascal Victor
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