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17.06.2010 |
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"Tannhäuser" als Reise ins Unbewusste
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WIEN. "Tannhäuser" als Reise ins Unbewusste Jubelstürme für die Sänger, ein Buh-Orkan für die Inszene - in seiner Zwiespältigkeit wirkte das Publikumsecho dieser "Tannhäuser"-Premiere (Dresdner Fassung) wie ein symbolhaftes Resume der Ära Ioan Holender, mit ihren neunzehn Jahren der längsten Direktionszeit in der Geschichte der Wiener Staats-(bzw. vormals Hof-)Oper.
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Regie hatte Claus Guth geführt. Ihm wäre wohl in erster Linie mangelnde Konsequenz bei der Verwirklichung seines Konzepts vorzuwerfen. Es zielte, wie es schien, auf eine Reise ins
Unbewusste ab; so etwa wenn er - in Anspielung auf Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" - die Wartburg-Gesellschaft
in schwarzen Dominos und ebensolchen Masken auftreten ließ.
Der beliebte Topos "Wien um 1900" sollte auch in der Ausstattung von Christian Schmidt sichtbar werden. Aber wenn schon ein berühmtes Wiener Stundenhotel auf die Bühne gestellt wird, dann
eher als Metapher für den Venusberg und nicht als Rahmen für den Auftritt der Jagdgesellschaft. Statt dessen gingen und redeten in der ersten Szene vor einem roten Vorhang Tannhäuser
und Venus aneinander vorbei, zuweilen ohne erkennbare Logik von Doppelgängern gespiegelt.
Wieder-Auftritt des Verstorbenen
Im zweiten Akt hatte man mit enormem Aufwand das prunkvolle, vom Schubert-Freund Moritz v. Schwind ausgestattete "Schwind-Foyer" des Hauses reproduziert. Der dritte Aufzug spielt dann in einem
psychiatrischen Krankenhaus: Dort erscheinen die Pilger, im ersten Akt noch im Frack, jetzt als Geisteskranke; Elisabeth begeht mit Tabletten Selbstmord, und der zuvor offenbar im Bett verstorbene
Tannhäuser taucht zur Romerzählung noch einmal auf - seltsam das alles...
Auch musikalisch herrschte nicht nur ungetrübte Freude. Der designierte GMD der Oper Franz Welser-Möst führte Solisten und Chöre mit Umsicht und steuerte zielsicher die
großen Höhepunkte an; er breitete samtweiche Klangteppiche der Streicher aus, überließ jedoch die Holzbläser vor allem zu
Beginn des dritten Aktes ihrem Schicksal unpräziser Einsätze. Dort hatte er auch des Guten seiner betont ruhigen Tempi zweifellos zuviel getan. Der Chor, von Gästen aus Bratislava
verstärkt, brillierte bei seinem ersten Erscheinen durch makellose Homogenität und Intonation; seine Soprane erreichten
jedoch beim Einzug der Gäste auf der Wartburg nicht ganz die Spitzentöne. Und gegen Ende dieses Aktes schmerzte sein Absinken in einer kurzen a-cappella- Phrase besonders.
Ausgezeichneter Sängerknabe
Unter den Sängern stellte Christian Gerhahers Wolfram von Eschenbach an erlesenster Gesangskultur alles andere in den Schatten. Als gleichsam "geborener" Liedsänger führte er seinen
Prachtbariton mit nobelster Phrasierung und minutiös ausgefeilter Textgestaltung, dabei aber auch mit enormer dynamischer Spannweite. In der Titelpartie überraschte Johan Botha nicht so
sehr mit seinen unerschöpflichen Kraftreserven als vielmehr mit gekonnten Piani und einer ergreifend gestalteten Romerzählung. Anja Kampe (Elisabeth) und Michaela Schuster (Venus)
erfreuten mit ihren klangvollen Timbres, weniger mit ihrem reichen Vibrato. Ain Anger war ein würdig-sonorer Landgraf, nicht mehr als verlässlich präsentierten sich die
Minnesänger in ihren wohlstudierten Ensembles. Doch ganz ausgezeichnet sang ein Sängerknabe aus dem oberösterreichischen Stift St. Florian den jungen Hirten.
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| Quelle: Gerhard Kramer |
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