SUCHBEGRIFF:
Bayreuth-TV
Bayreuth-TV
FESTSPIELE SPEZIAL
1

INHALTSANGABEN
Inhaltsangaben
FESTSPIELE-SHOP

Festspiele-Shop
Bayreuth Salzburg Bregenz Baden-Baden Sonstige Bilder Forum
26.07.2010

"Walküre" geht um die Welt

Probelauf für dritte Siemens Festspielnacht am 21. August – Live-Stream ins Netz, erstmals im japanischen Fernsehen

BAYREUTH. Am 21. August findet die dritte Siemens Festspielnacht statt.

Michael Beyer weiß nicht mehr, wie lange er schon auf den Beinen ist. Sind es schon 24 Stunden? Während Christian Thielemann den Dirigentenstuhl im Orchestergraben der Bayreuther Festspiele für heute Abend räumt, packt Beyer seine „Walküren“-Partitur in den Rucksack. Von den Generalproben-Zuschauern unbemerkt, waren am vergangenen Montagabend zwei Dirigenten tätig – einer für die Musik, der andere für die Bilder.

Beyers Reich ist eine technische Wunderkammer, geparkt an der Ostseite des Festspielhauses; das Licht ist hier ähnlich schummrig wie im Orchestergraben, dafür ist der Raum klimatisiert. Der TV-Regisseur sieht müde aus, bedächtig sind seine Sätze und Bewegungen, als würde er Energie sparen für die weiteren Stunden an Besprechungen, die jetzt noch kommen werden. Die „Walküre“ war auch für das 55-köpfiges Team von United Motion eine Generalprobe. Die Firma kümmert sich um die DVD-Produktion von Tankred Dorsts Inszenierung der „Walküre“ und um die Live-Übertragung der Oper am 21. August auf den Bayreuther Volksfestplatz: die dritte Siemens Festspielnacht. Zeitgleich schicken sie den zweiten „Ring“- Abend am 21. August um die ganze Welt. Per Internet-Live-Stream ist die Oper abzurufen (siehe Daten und Fakten). Erstmals übernimmt auch das japanische Staatsfernsehen das, was United Motion in Bayreuth mit Unterstützung des Bayreuther Technologieunternehmens TMT per Glasfaser und Satellit auf den Weg schickt. Im Fernsehen und in Kinos soll die „Walküre“ japanischen Wagner-Fans zugänglich sein – und das live, trotz siebenstündiger Zeitverschiebung nach vorne. Eine Probe haben Beyer und Kollegen für diese Aufgabe – mehr nicht.

Technische Tücken

Zwölf Kameras hat die Technikermannschaft in Nachtarbeit an versteckten Plätzen im Orchestergraben, im Bühnen- und Zuschauerraum aufgebaut, 3000 Meter Kabel verlegt – um 5 Uhr morgens waren sie fertig. Ein kleiner weißer Pavillon im sogenannten Technikerhof des Festspielhauses wurde zur Einsatzzentrale der sechs Kameraleute, die per Touchpad die „Walküre“ in einzelnen Bildern einfangen. Einer von ihnen ist Volker Striemer. Er weiß: Die automatische Steuerung hat Tücken. „Schwer ist, dass wir nur den kleinen Ausschnitt sehen, den unsere Kamera zeigt, aber nichts darüber hinaus, wie wenn wir selbst hinter ihr stehen würden.“ Per Interkom sind sie mit Bildregisseur Beyer verbunden, der im Übertragungswagen jede einzelne Kamera und ihre Einstellung überwacht. Eine weitere Herausforderung für Striemer und Kollegen: da Regisseure in Inszenierungen heute gerne mit wenig Licht arbeiten, ist die Kamerablende immer weit offen. „Da ist es nicht einfach, zu zoomen und die Bildschärfe beizubehalten.“

Eine Kamera fällt dann auch prompt während der Aufzeichnung der Generalprobe aus. Warum, muss noch analysiert werden. „Ich musste viel improvisieren“, sagt Beyer. Aber daran ist er gewöhnt. Im Großen und Ganzen ist er zufrieden mit dem Probelauf. Akribische Vor- und Nacharbeit sollen den Erfolg der Übertragung am 21. August garantieren.

Die Abstimmung mit Regisseur Tankred Dorst war dabei extrem wichtig, sagt Beyer. Besonders freute ihn, dass Dorst keine Berührungsängste oder Bedenken gegen das Projekt hegte. „Die Gespräche haben mir sehr geholfen, die Geschichte in Bildern richtig zu erzählen.“ Auch der Regisseur war angetan von der Zusammenarbeit und bezeichnet sie als „sehr erfreulich“. Dorst: „Wir haben uns gut vertragen. Er hat schöne Ideen.“ Dass Beyer den Blick des Zuschauers lenken wird, findet er nicht problematisch. Wichtig war ihm aber, dass bestimmte Bühnenbild-Details erst dann von der Kamera enthüllt werden, wenn es die Dramaturgie vorsieht.

„Walküre“ wird lichter

„Man muss den Beginn des zweiten Aktes so filmen, dass die Skulpturen der ehemaligen Götter, Feldherren und Krieger erst spät erkannt werden.“ In Fragen der Beleuchtung kam er dem Produktionsteam sogar entgegen – an einigen „finsteren“ Stellen wird die „Walküre“ heuer etwas lichter. Und der Bühnen-Schleier, hinter dem Fricka Wotan im zweiten Akt den Eid abnimmt, Siegmund nicht vor Hundings Schwert zu schützen, entfällt in der Aufführung am 21. August ganz. Warum? Interessante Begründung: Die Kameras sind zu gut. Da United Motion mit den derzeit besten HD-Kameras arbeite, stört der Schleier die Nahaufnahmen der Sänger. „Die Gesichter wirken gerastert“, erklärt Beyer. „Und wenn sich eines der vielen Insekten, die da herumflattern, im Schleier verfängt, stört das natürlich auch.“

Für das reibungslose Zusammenspiel der Kameras sorgt ein Handbuch. Die erste Version erstellte Beyer anhand von Probenaufnahmen. Seine „Wal- küren“-Partitur zieren mit Bleistift geschriebene Kameranummern. Sein Fazit ist positiv: „Die Kameras haben wir richtig postiert, so können wir arbeiten.“ Klar, dass er noch etliche Feinabstimmungen vornehmen wird. Interessante Details, Nahaufnahmen und spannende Perspektiven von denen er vorher nichts wusste, werden eingearbeitet. Am 20. August trifft sich das gesamte Team wieder nach einer für solche Produktionen ungewöhnlich langen, fünfwöchigen Pause. Dann werden sie alles im Trockendurchlauf noch mal durchgehen. Und dann? „Dann wird’s“, sagt Beyer.

Quelle: Christina Knorz
Bewerten Sie diese Meldung:
1 Punkt 2 Punkte 3 Punkte 4 Punkte 5 Punkte

zurück zur Übersicht
 
1
1

Videos, Livecams und Fotostrecken

"Lohengrin"- Neuinszenierung

Auffahrt 2010

Webcam Bayreuth

Videos über Bayreuth

Lohengrin

1

Ein Blick über Bayreuth - per Webcam

1
 
1
1

Weitere Meldungen


01.09.2010

Mankell will sich für Schlingensiefs Operndorf einsetzen

"Ich vermisse ihn sehr und ich werde ihn mein ganzes Leben vermissen"
Mankell will sich für Schlingensiefs Operndorf einsetzen
30.08.2010

Trauerfeier für Schlingensief in Oberhausen

Auch Eva Wagner-Pasquier nimmt Abschied
Trauerfeier für Schlingensief in Oberhausen
28.08.2010

Finale in Bayreuth: "Meistersinger" zum Festspielende

Emmerich: Harmonisch verlaufende Saison
Finale in Bayreuth: "Meistersinger" zum Festspielende
28.08.2010

Richard-Wagner-Museum wird saniert

Richard-Wagner-Museum wird saniert
28.08.2010

Christian Tschelebiew und sein Traum

Ein Edler in „Lohengrin“
Christian Tschelebiew und sein Traum
27.08.2010

Das Heinzelmädchen

Kathrin und die starken Kerle
Das Heinzelmädchen
Zum Anfang der Seite gehen
Kontakt
Online-Werbung
Datenschutz
Impressum
 FESTSPIELE.DE ist ein Service des Nordbayerischen KURIER 
Nordbayerischer Kurier GmbH & Co - Zeitungsverlag KG Bayreuth  Maxstraße 58-60  95444 Bayreuth
 Design, Umsetzung und CMS: TMT GmbH & Co. KG