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Allein die Singleauskopplung "Don't Cry For Me Argentina" aus dem Musicals von Andrew Lloyd Webber war 1977 ein Nummer-Eins-Hit in Großbritannien. Künstler wie Tom Jones, Richard
Clayderman, Sinéad O'Connor, Sarah Brightman oder Stefan Mross haben den Song in den letzten dreißig Jahren gecovert. Der Bühnenerfolg der anrührenden Geschichte um den
Aufstieg des schauspielernden Models ist Legende - und wird allem Anschein nach eine wohldosierte Fortsetzung finden.
Die Produktion mit einem Ensemble aus dem Londoner West End, die in den nächsten Monaten durch Deutschland touren wird, ist zum Start in Dresden bereits zu großen Teilen ausverkauft.
An die Tourneeorte Köln, Hamburg, München und Frankfurt schließt sich deswegen ein Gastspiel an der Leipziger Oper an, wie die Produzenten am Premierenabend bekanntgaben.
Wie am Schnürchen lief die Premiere von "Evita" am Mittwochabend in Dresden ab. Fehlerlos intonierte das kleine, vierzehnköpfige Ensemble im Orchestergraben unter der Leitung des
Dirigenten David Steadman. Sekundengenau spulte sich die Bühnenhandlung ab, senkten sich Säulen und verschoben sich Treppenelemente, auf denen sich der rauschende Aufstieg der
männerverschleißenden Evita meist vollzog.
Glockenhell bis schneidend kalt klang die Stimme der Hauptdarstellerin Abigail Jaye. Mark Powell, der als Ché durch die Handlung führte, schöpfte sein Repertoire von zynischen
Lachern und rüden Kommentaren ebenfalls aus. Mark Heenehan (Perón) präsidierte würdig durch die Szenerie und legte zum neu eingefügten Song "You Must Love Me"
vorsichtig das massige Haupt in den grazilen Schoß der Gattin. Und noch der letzte Schluchzer vom Krankenbett der First Lady wurde skriptgemäß nach gut zwei Stunden Spieldauer in
höchster Professionalität abgeliefert.
Ob Geheimdienstler in schwarzen Ledermänteln, rußgeschwärzte Gewerkschafter mit "Perón"-Transparenten, tanzende Hausfrauen in geblümter Schürze,
weihrauchschwenkende Priester, betende Kinder und Militärs mit Stahlhelm - alle Mitwirkenden agierten konzentriert, flüssig - und ohne den leisesten ironischen Hauch, ohne doppelten
Boden, ohne jegliche Möglichkeit der eigenen, persönlichen Auslegung dieser faszinierenden und gar nicht so glatten Geschichte.
Allein das Publikum im ausverkauften Rund der Semperoper wich etwas vom Drehbuch des perfekten Abends ab. Kaum, dass sich einmal jemand zum scheuen Szenenapplaus aufraffen mochte. Auch der
Beifall am Schluss blieb freundlich-unbestimmt. Die meisten Emotionen gab es beim Abspann, als das Ergebnis vom WM-Halbfinale mit deutscher Niederlage eingeblendet wurde.
Weder Buhs noch Bravos, weder Getrampel noch begeistertes Geschnatter auf der Premierenfeier rief diese neue "Evita" hervor. Sie funktioniert als neues Rädchen im Getriebe der Gastspiel-
Industrie, als Produkt von sorgfältig dosierten Investitionen und in Erwartung eines allerorten und gerade in Krisenzeiten zuverlässig strömenden Musical-Publikums - ohne
Überraschungen, ohne größere Risiken. Willkommen in der Jetztzeit, Evita.
dpa
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