Marketingtechnisch ist 2013 ein Glücksfall – denn in diesem Jahr fallen Richard Wagners 200. Geburtstag und des Komponisten 130. Todestag zusammen. Und weil keine andere Stadt der
Welt(!) so eng mit dem Namen Wagner (22. Mai 1813 bis 13. Februar 1883) verbunden ist wie Bayreuth, ist die Erwartungshaltung bezüglich eines schlagkräftigen Konzepts, mit dem die Stadt
dieses Doppeljubiläum feiern soll, besonders hoch. Das Thema Doppeljubiläum wabert denn auch seit Monaten, wenn nicht seit Jahren durch die Stadt – immer verbunden mit dem
Hinweis, dass Bayreuth in Sachen Wagner nicht kleckern dürfe, sondern klotzen müsse. Allein, es tat sich zunächst herzlich wenig. Der damals noch amtierende (und zwischenzeitig
längst beurlaubte) Kulturreferent Ralf Lange, in dessen Aufgabengebiet die Sache Wagner fiel, jedenfalls brachte eines nicht fertig: ein umfassendes Konzept für 2013 vorzulegen.
Bayreuth als Mitte
Da traf es sich gut, dass mit Professor Anno Mungen ein ausgewiesener Wagner-Spezialist die Sache in die Hand nahm. Aus freien Stücken legte der Lehrstuhlinhaber für
Theaterwissenschaften unter besonderer Berücksichtigung des Musiktheaters an der Universität Bayreuth sein Konzept „w.ww2013 – Wagner WorldWide 2013“ vor. Mungen
setzte dabei Bayreuth sehr bewusst in die Mitte aller Wagner-Feierlichkeiten. Wobei er im gleichen Atemzug darauf pochte, dass es kein hermetisches, kleines und abgeschlossenes Projekt sei, das
er der Stadt präsentieren wollte.Nun freilich, eineinhalb Jahre nach Vorlage des Konzepts zog Mungen die Notbremse: „Es hat sich gezeigt, dass eine Finanzierung der ersten Tranche
nicht machbar erscheint.“ Zum Hintergrund: Mungen wollte zwei wissenschaftliche Stellen durch die Stadt finanzieren lassen.
Diese Mitarbeiter hätten das Projekt schon Anfang 2009 auf den Weg bringen sollen. Gesamtkosten für drei Jahre: 450 000 Euro – für die Vorbereitung und Abwicklung
eines kulturellen Großprojekts beileibe kein verwegen hoher Ansatz. Außerdem sei nun die Zeit so weit fortgeschritten, dass er kaum noch Chancen sehe, sein Projekt sinnvoll
umzusetzen und geeignete Großsponsoren aufzutun. Deshalb zog Mungen nun, wie er gestern gegenüber dem KURIER bestätigte, sein Konzept zurück, behält aber die Rechte
daran: „Natürlich ist bei mir die Enttäuschung groß. Denn ich meine, dass daraus etwas Großes hätte entstehen können.“ Schließlich habe die
Kulturstadt mit der weltweit einzigartigen Konstellation Festspielhaus/Markgräfliches Opernhaus ein riesiges Potenzial. Das es freilich auch konzeptionell zu nutzen gelte. Mungens Meinung:
„Dafür braucht es einen sehr guten Kulturreferenten.“ Er habe aber in der jetzigen Konstellation „keine Lust, einfach irgendwie weiterzumachen. Da mache ich lieber jetzt
einen klaren Schnitt“. Im Klartext: Mungen erhielt für sein Konzept viel zu wenig Unterstützung seitens der Stadt und der beschließenden Gremien.
Vor allem aber: Es ging nichts voran. Damit steht die Stadt nun wieder am Nullpunkt: Es gibt kein Konzept (mehr) für 2013. Und nachdem die juristische Auseinandersetzung mit Ralf Lange
noch nicht beigelegt ist, ist auch die Bestellung eines neuen Kulturreferenten in weite Ferne gerückt. Die Kultur ist so zur Verschiebemasse geworden – und muss von Carsten
Hillgruber, der das Sozial- und das Schulreferat (!) verantwortet, mit erledigt werden. Die Lage ist prekär. Wenn die Stadt vom Wagner-Doppeljubiläum touristisch in großem
Maße profitieren will, müssen konkrete Programminhalte und -daten spätestens zwei Jahre vor dem Ereignis bereits bei Messen vorgestellt und Veranstaltern angeboten werden. Davon
ist die Stadt aber weiter entfernt denn je. Und noch ein weiteres Problem drückt die Kommune: Zwischenzeitlich ist die Finanzlage der Stadt derart angespannt, dass auf absehbare Zeit
große Sprünge nicht mehr drin sein werden. Somit droht das Doppeljubiläum mehr und mehr zur Nullnummer zu werden. Und das, obwohl Wagner-Spezialist Mungen sagt: „Man wird
sich jetzt noch mehr sputen müssen. Aber vor allem muss man mal überlegen, was man wirklich will mit solchen Jubiläen. Da scheint mir ein gewisser Nachholbedarf gegeben.“
Gert-Dieter Meier, nk