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Noch sorgen Freias Äpfel für die ewige Jugend der Götter. Auf dem bild (von oben nach unten): Wotan: Albert Dohmen, Fricka: Michelle Breedt, Donner: Ralf Lukas, Froh:
Clemens Bieber, Freia: Edith Haller Foto: Bayreuther Festspiele
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Das seinen Lauf nehmende Weltendrama spielt sich allein im Orchestergraben ab. Dirigent Christian Thielemann war bei der „Rheingold”-Wiederaufnahme am Freitag der umjubelte Star. Was
wäre hier möglich, wenn die orchestralen Impulse auf der Bühne ihre ebenbürtige Entsprechung finden würden!
Gewiss, man konnte während der Aufführung ein wenig über die interessanten Kostüme nachdenken: die wellenförmigen Linien in den Kleidern der Rheintöchter, die
Felsen-Imitate an den Gewändern der Riesen, die krötenhafte Erscheinung des im garstig glatten, glitschrigen Glimmer ausgeglittenen Alberichs oder die fantasyartig geschnittenen
Raumfahrtanzüge der Götter, die sich auf das Dach eines Hochhauses verirrt haben. Für eine Charakterisierung der Figuren reicht dies freilich nicht aus.
Umso mehr war es wieder ein Erlebnis zu hören, wie klar konturiert das Festspielorchester trotz verdecktem Orchestergraben klingen kann. Thielemann ließ von seinen Musikern über
weite Strecken einen fast kammermusikalisch-feingliedrigen Klang erzeugen, ohne dass dabei der große symphonische Atem verloren gegangen wäre. Immer wieder blitzten Bedeutung tragende
Motive auf. Die Wogen des Rheins kräuselten sich diskret, das Gold glänzte in warmen Farben, der Schmiederhythmus der Verwandlungsmusik zur Nibelheim-Szene züngelte
bedrohlich aus dem Graben. Die Balance zu den Sängern war ideal. So war die Aufführung dieses Konversationsstücks auch von hoher Textverständlichkeit gekennzeichnet, was bei
Wagner-Aufführungen keinesfalls selbstverständlich ist.
Stimmlich äußerst kultiviert, mit kurzen, klangschönen Momenten: Michelle Breedt als Fricka. Kwangchul Youn als Fasolt und Hans-Peter König als Fafner demonstrierten eine
enorme stimmliche Bass-Potenz ohne zu dröhnen. Andrew Shore als Alberich und Gerhard Siegel als Mime setzten markante Akzente. Arnold Bezuyen, der Charakterelemente und Lyrisches in seinem
Tenor vereint, gab einen auch szenisch agilen Loge. Mihoko Fujimuras Auftritt als Erda verströmte nicht mehr ganz so viel Magie wie im vergangenen Jahr, war aber dennoch von großer
Präsenz gekennzeichnet. Albert Dohmen sang einen Wotan mit heldischem Material, das in der Höhe allerdings etwas brüchig war. Der in Bayreuth aufgewachsene Ralf Lukas (Donner),
Clemens Bieber (Froh) und Edith Haller (Freia) vervollständigen das auf hohem sängerischen Niveau agierende Ensemble. Abstriche musste man bei den drei Rheintöchtern machen, deren
stimmlicher Verschmelzungsgrad zu wünschen übrig ließ.
Tankred Dorst hat an seinem Regiekonzept im Wesentlichen nichts geändert. Die Welt der Götter und Halbgötter soll fremd und fern erscheinen. Ganz selten lässt der Regisseur
heutige Menschen die Bühne betreten. Im „Rheingold” etwa einen Touristen, der einige Fotos schießt, oder einen Hausmeister, der einen Kontrollgang durch Nibelheim
unternimmt. Beide Sphären laufen ohne Berührungspunkte nebeneinander her. Hat uns Wagners mythisches Stück heute etwa nichts mehr zu sagen? Dorsts Inszenierung bleibt sprachlos.
Am Ende des Stücks hat Tankred Dorst dann doch eine nicht unerhebliche Korrektur vorgenommen. Erstaunlicherweise mussten die Götter im vergangenen Jahr, während das Orchester mit
Macht die Vorstellung des Emporschreitens entstehen ließ, eine Treppe nach unten steigen, wodurch sich Wotan samt Gefolgschaft immer weiter von Walhall entfernte. Es handelte sich dabei wohl
nicht um eine bewusste Umdeutung der Musik, sondern schlicht um ein Versehen. Heuer haben die Götter die Richtung geändert. Es geht aufwärts.
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